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„Ostern ist eine aufrechte Haltung hier und jetzt“
Erzbischof Dr. Udo Bentz feierte im Hohen Dom mit zahlreichen Gläubigen ein feierliches Lateinisches Pontifikalamt zum Hochfest der Auferstehung Christi, hier: Einzug ©Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
  • 31. März 2024

„Ostern ist eine aufrechte Haltung hier und jetzt“

Von Presse-Team des Erzbistums Paderborn | Erzbischöfliches Generalvikariat

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ruft am Ostersonntag zu Hoffnung und Entschiedenheit auf

Paderborn (pdp). „Der Blick auf den weiten Horizont, den uns der Auferstandene eröffnet, lässt auch unseren eigenen Blick weit werden“, sagte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz am Ostersonntag, 31. März 2024, im Hohen Dom zu Paderborn. Der Auferstandene weite den Blick auf den Himmel wie auf die Erde. „Und er gibt uns den notwendigen Mut, aufrecht allem zu widerstehen, was geeignet ist, den Menschen niederzubeugen, seine Würde zu verletzen und ihn zu krümmen“, machte der Paderborner Erzbischof im feierlichen Lateinischen Pontifikalamt zum Osterfest deutlich. Menschen im ganzen Erzbistum Paderborn und darüber hinaus konnten den Gottesdienst auch im Live-Stream mitfeiern.

„Christus ist wahrhaft auferstanden. Das ist die Überschrift dieses Tages und die Botschaft, die sich in unser Herz einbrennen will“, begrüßte der neue Paderborner Erzbischof die Gläubigen in der Paderborner Bischofskirche und lud ein: „Feiern wir heute das Fest, das über den Tod hinausreicht in die Ewigkeit.“ Ostern zu feiern und zu begreifen, brauche Zeit, der Glaube sei nicht leicht zu fassen, erklärte Erzbischof Dr. Bentz: „Aber Gott ist größer!“

Gekrümmt zu gerade?

Seine Predigt begann Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz mit einem Blick auf den Roman „Krummes Holz“ der Autorin Julja Linhof und auf eine dem Roman vorausgestellte Aussage des Philosophen Immanuel Kant: „Aus so krummem Holz, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts Gerades gezimmert werden“, zitierte der neue Paderborner Erzbischof den Philosophen und erläuterte: „Für Kant sind wir Menschen ambivalent: einerseits mit der Vernunft und unserer Freiheit befähigt, Großartiges möglich zu machen und moralisch gut zu handeln; andererseits ständig im Konflikt mit dem Bösen, das in uns lauert und gegen das anzukämpfen fast aussichtslos erscheint.“ Erzbischof Dr. Bentz forderte dazu auf, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen: „was uns geprägt hat, was uns zu schaffen macht, wie andere für uns Zumutung sind und umgekehrt wir auch für andere Last und Zumutung sind.“

Auch gesellschaftlich und politisch gebe es viel „krummes Holz“, stellte der neue Paderborner Erzbischof fest, so etwa „die sich mit neuem Erschrecken zeigende Fratze völkischer Gesinnungen, ein Feind- und Exklusionsdenken, das nie mit unserem christlichen Menschenbild vereinbar ist“. Erzbischof Dr. Bentz, der die Arbeitsgruppe „Naher und Mittlerer Osten“ der Kommission Weltkirche in der Deutschen Bischofskonferenz leitet, benannte auch den Terrorismus der Hamas, der Israel „in einer unglaublichen Weise traumatisiert“ habe. „Die Folgen daraus sehen wir: kriegerische Gewalt und eine humanitäre Katastrophe. Wie soll auf Zukunft hin daraus etwas Gerades gezimmert werden können?“, fragte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. Wie verbogen sei auch das „Holz des kriegerischen Aggressors Russland, Putins, der seit mehr als zwei Jahren so viel Leid und Elend über die Menschen in der Ukraine bringt? Wie soll aus dieser Traumatisierung auf Zukunft hin etwas Gerades gezimmert werden?“

Veränderte Blickrichtung: hinauf zu Gott

Aus krummem Holz sei schließlich auch das Kreuz Jesu gezimmert worden. „Und es ist das krumme Holz, aus dem heute für so unzählig viele Leidende das Kreuz jeden Tag neu gezimmert ist. Das ist das krumme Holz, auf das wir an Karfreitag geschaut haben“, machte Erzbischof Dr. Bentz deutlich.

Ostern bringe hingegen eine veränderte Perspektive, betonte der neue Paderborner Erzbischof. Diese bedeute nicht, einfach nur den Kopf zu wenden – „weg vom krummen Holz, das die Welt bestimmt“. Ostern meine nicht, „das krumme Holz des Kreuzes auszublenden und in einen gekünstelten Ostertaumel zu fallen“. Ostern meine vielmehr, sich aus der gekrümmten Haltung zu begeben und aufrichten zu lassen, erklärte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz.

Mit Ostern verändere sich die Blickrichtung: hinauf zu Gott, vertiefte der neue Paderborner Erzbischof: „Trotz des Elends, das uns durch das krumme Holz des Bösen in unsrer Welt niederdrückt, feiern wir die Auferstehung und glauben: Die Macht der Liebe lässt Jesus nicht im Tod, sondern ruft ihn zu neuem Leben. Die Macht der Liebe Gottes ist die einzige Macht, die aus dem krummen Holz, aus dem der Mensch geschnitzt ist, dennoch etwas Gerades zimmern kann. Wir sind und bleiben krummes Holz. Aber aufblickend auf den am Kreuz Erhöhten und Auferstandenen finden wir zu einem aufrechten Gang.“

Der Blick auf den weiten Horizont der Auferstehung verändere auch die Sicht auf das Hier und Jetzt, sagte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zum Abschluss seiner Predigt: „Wenn wir Ostern feiern, weil wir an die Auferstehung der Toten glauben, dann dürfen wir auch an die Chance einer Auferstehung der Lebenden glauben: Auferstehung der jetzt lebenden Leidgeplagten, der jetzt lebenden Geschundenen, der jetzt lebenden Entrechteten, der jetzt lebenden Vereinsamten, der jetzt lebenden Hoffnungslosen. Ostern ist nicht eine Hoffnung für ‚irgendwann einmal nach dem Tod‘, Ostern ist eine aufrechte Haltung hier und jetzt.“

Konzelebranten und Musik

Weihbischof Matthias König, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB und Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer konzelebrierten im Lateinischen Pontifikalamt. Der Domchor, die Domkantorei, Solisten und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn begleiteten die Heilige Messe unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning musikalisch. Domkantor Patrick Cellnik und Domorganist Tobias Aehlig gestalteten den Gottesdienst ebenfalls gesanglich beziehungsweise an der Orgel.


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