- Internationaler Kinderbuchtag
Mainz - Das gemeinsame Erzählen und Entdecken von Geschichten ist eine wichtige Erfahrung für Kinder. Es macht sie von Anfang an neugierig darauf, selbst neue Abenteuer zu entdecken. Gleichzeitig wachsen mit jeder Geschichte der eigene Wortschatz und das Verständnis für Sprache. Das erleichtert Kindern das spätere Lesenlernen und macht Vorlesen zum Startpunkt für die eigene Lesereise. Dieser Startpunkt kann nicht zu früh beginnen, denn gerade die ersten beiden Lebensjahre prägen Kinder in vielerlei Hinsicht. In dieser Phase entwickelt sich das Gehirn rasant, Sprache entsteht aus alltäglichen Dialogen, aus Blickkontakt, aus den wiederkehrenden Mustern im täglichen Zusammensein. Vorlesen wirkt dabei wie ein Motor: Es schafft Nähe und Aufmerksamkeit, vermittelt Sprachmelodie, erweitert den Wortschatz und stärkt die Konzentrationsfähigkeit.
So klappt es mit dem Vorlesestart
Viele Eltern wissen zwar, dass das Vorlesen für die Entwicklung ihrer Kinder wichtig ist, setzen dieses Wissen aber nicht in ihrem Alltag um. Oft hindern sie Vorurteile und fehlende Vorleserituale. Dabei ist das Schöne am Vorlesen, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Jede Person liest anders vor und jedes Kind hört anders zu. Manche sind ganz ruhig, andere sind aktiver und brüllen gemeinsam mit dem Löwen in der Geschichte. Jede Familie kann auf ihre eigene Art und Weise vorlesen und jede davon ist richtig. Gleichzeitig können Rituale helfen, eine Vorleseroutine aufzubauen und die gemeinsame Zeit im Alltag fest zu verankern – und das von Anfang an. Ein gutes Einstiegsritual ist die Gute-Nacht-Geschichte. Wenn jeden Abend 10 Minuten eingeplant werden, entwickelt sich eine Routine, auf die sich Eltern und Kinder einstellen können. Das hilft dabei, abends zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen. Weiterer Pluspunkt: Die Kinder finden besser in den Schlaf – das macht Vorlesen zum echten Alltagshack.
Lesemotivation entsteht gemeinsam
Erwachsene sollten nie vergessen: Lesenlernen ist schwer und anstrengend. Spaß am Lesen kann erst dann entstehen, wenn die Kinder selbst schnell und flüssig lesen können. Und dafür braucht es vor allem eins: Übung. Damit diese nicht in Stress ausartet und das Interesse an Geschichten erhalten bleibt, hilft es Kindern ungemein gerade zu Beginn die Vorleserituale beizubehalten. Wenn es gerade passt, können dann beispielsweise Rollen abwechselnd gelesen werden. Wichtig dabei ist immer: Kinder brauchen Geduld und Freiraum. Lesen darf nicht als Pflicht oder Strafe erscheinen, sondern als Einladung. Kinder sollten selbst wählen dürfen, welche Geschichten sie ansprechen – ob thematisch oder im Format. Comics, Magazine oder Mangas können den Zugang erleichtern und machen besonders Leseanfängern Mut. Es hilft in Büchereien auszuprobieren oder sich im Buchhandel beraten zu lassen. Kostenfreie Geschichten gibt es zudem für 3-, 5- und 7-jährige Kinder jeden Freitag in der App „einfach vorlesen!“. Vor allem aber wirkt das eigene Verhalten. Erwachsene, die selbst zum Buch oder zur Zeitschrift greifen und gemeinsam mit den Kindern lesen, zeigen, dass Lesen ganz natürlich zum Alltag gehört und Freude macht.
Über die Stiftung Lesen
Lesen ist die zentrale Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg, Integration und eine zukunftsfähige gesellschaftliche Entwicklung. Damit alle Kinder in Deutschland lesen können, engagiert sich die Stiftung Lesen gemeinsam mit Bundes- und Landesministerien, mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen in bundesweiten Programmen und Kampagnen. Die Stiftung Lesen steht seit ihrer Gründung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird von zahlreichen prominenten Lesebotschafter*innen unterstützt. www.stiftunglesen.de


















