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Pferdeprozession in Giershagen
Zahlreiche Menschen kamen trotz schlechter Witterung zur traditionellen Giershagener Pferdeprozession – ein Brauchtum mit 300-jährige Tradition ©Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn
  • 20. April 2026

Pferdeprozession in Giershagen

Von Presse-Team des Erzbistums Paderborn | Erzbischöfliches Generalvikariat

Weihbischof Hubert Berenbrinker feiert Pontifikalamt und segnet Reiter und ihre Pferde

- im 300. Jubiläumsjahr der Giershagener Pferdeprozession

Paderborn / Giershagen (pdp). Wenn am zweiten Sonntag nach Ostern Frauen und Männer auf Pferden durch Dorf, Feld und Flur von Giershagen bei Marsberg im Sauerland reiten, dann ist dort Pferdeprozession. Im 300. Jubiläumsjahr feierte Weihbischof Hubert Berenbrinker am Sonntag, 19. April 2026, in der Pfarrkirche von Giershagen ein festliches Pontifikalamt, segnete auf dem Kirchplatz bei der sogenannten Pferdeweihe die versammelten Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden, um so die traditionsreiche Prozession durch Giershagen und Umgebung zu starten. Trotz kaltem und regnerischem Wetter nahmen 30 Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden, zwei Gespanne mit Kutschen und zweihundert Zuschauer an der Giershagener Pferdeprozession teil. Weihbischof Berenbrinker rief in seiner Predigt zu einem „achtsamen Umgang mit Gottes Schöpfung“ auf.

Ausgehend vom biblischen Psalm 150, aus dem auch sein bischöflicher Wahlspruch „Alles, was atmet, lobe den Herrn. Halleluja!“ entnommen ist, erinnerte Weihbischof Hubert Berenbrinker beim Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Fabian und St. Sebastian in Giershagen daran, dass Gott „alles“ wunderbar geschaffen habe. Menschen seien aufgerufen, sich an der ihnen von Gott anvertrauten Schöpfung zu erfreuen und dankbar zu sein für Gottes Heilshandeln in der Geschichte. Die Einladung und Aufforderung im Psalm 150 „Alles, was atmet, lob den Herrn“ sei insbesondere am Tag der Pferdesegnung und Pferdeprozession in Giershagen eine Erinnerung und Mahnung zur Verantwortung und Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung, konkretisierte Weihbischof Berenbrinker. „Wenn wir so leben, wenn wir so mit der Schöpfung umgehen, dass es zum Lobe Gottes gereicht, gereicht es uns selbst zum Segen“, bekräftigte der im Erzbistum Paderborn emeritierte Weihbischof.

Psalm 150 sei eine „großartige Symphonie“ am Ende des biblischen Psalmen-Buches und zeige „die Verbundenheit von allen, die Gott geschaffen, und von allem, was Gott geschaffen hat“, urteilte Weihbischof Berenbinker zum Abschluss seiner Predigt. „Menschen, Tiere, Pflanzen und Gestirne, Wasser, Luft und Feuer, alles, was Gott gewollt und ins Dasein gerufen hat, gehört zusammen. Alles ist des Lobes würdig und trägt selbst zum Lob des Schöpfers bei.“

Pferdeweihe und Pferdeprozession

Auf dem Kirchplatz von Giershagen versammelten sich nach dem Pontifikalamt in der Kirche 30 Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden. Nach einem Gebet spendete Weihbischof Berenbrinker diesen bei der „Pferdeweihe“ mit sichtlicher Freude seinen bischöflichen Segen. Mit dieser Segenshandlung zog die Reiterschar – angeführt vom Kreuzträger und begleitet von Fahnen – vom Kirchplatz in Giershagen hinab ins Diemeltal zur Kluskirche und durch das Buchholz zurück ins Dorf. An vier Stationen wurde auf dem Weg der Prozession innegehalten, gebetet und gesungen.

Im Anschluss an die Prozession bewirtete der Knappenverein am Pfarrheim - wie seit Jahren - die Gäste.

Pferdeprozession in Giershagen mit Tradition

Die Giershagener Pferdeprozession – die einzige dieser Art im Erzbistum Paderborn – ist weit mehr als ein 300 Jahre alter Brauch: Sie ist ein Zeichen gelebten Glaubens und tiefer Verbundenheit mit der Heimat. Die Wurzeln der Pferdeprozession in Giershagen reichen zurück in eine Zeit großer Not: Der Überlieferung nach legten die Bauern von Giershagen in der Barockzeit ein Gelübde ab, als eine verheerende Pferdeseuche ihre Existenz bedrohte. Aus Dankbarkeit entstand eine Prozessions-Tradition, die bis heute fortlebt.

Über Jahrhunderte hinweg wurde die Tradition lebendig bewahrt, ehe sie in den 1960er-Jahren vorübergehend zum Erliegen kam: Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft verschwanden die Pferde aus dem bäuerlichen Alltag und damit auch die Grundlage für die Prozession der Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden. Doch vor 30 Jahren wurde der Brauch der Pferdeprozession wiederbelebt: Reiterinnen und Reiter der Reitvereine Brilon und Marsberg beteiligen sich, aber auch aus dem benachbarten Waldeck und Paderborner Land sind „Ross und Reiter“ dabei.

Gedanken von Heiner Götte

Aus Dankbarkeit darüber, dass die Pferde-Seuche das Dorf vergleichsweise glimpflich traf, entstand die Tradition der Pferdeprozession. „Die Menschen haben Gott gedankt und dieses Gelübde über Generationen bewahrt“, erklärt Heiner Götte als Initiator der Wiederbelebung vor 30 Jahren.

Bis 1966 wurde die Prozession regelmäßig durchgeführt, ehe sie 1967 aufgrund des Rückgangs der Pferdehaltung ausfiel. Erst nach fast drei Jahrzehnten wurde die Tradition wieder aufgegriffen: Im Zuge eines lokalen Jubiläums entstand die Idee, die Pferdeprozession neu zu beleben – mit Erfolg. „Wir hätten damals nicht gedacht, dass sich das so entwickelt. Umso schöner ist es zu sehen, dass die Tradition bis heute trägt“, bekräftigt Heiner Götte.

Die Prozession ist für viele im Ort eng mit persönlichen Erinnerungen verbunden, sagt Götte. „Dieses Gefühl am frühen Morgen, wenn die Pferde vorbereitet werden, das vergisst man nicht.“

Auch heute wird die Prozession von Reiterinnen und Reitern aus Giershagen und umliegenden Orten getragen. Wetterbedingungen und organisatorische Herausforderungen beeinflussen die Teilnahme, doch die Bedeutung für das Dorf bleibt groß. „Ich bin sehr zufrieden. Entscheidend ist, dass die Tradition weiterlebt“, erklärt Heiner Götte. Mit Blick in die Zukunft hofft er auf engagierte Nachfolger: „Solange die Kraft reicht, mache ich weiter. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich auch künftig Menschen finden, die diese Aufgabe übernehmen.“




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