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Bruno Monnier: „Unsere Arbeit hat immer einen Bezug zum Ort
Gründer und Präsident von Culturespaces: Bruno Monnier, Bildnachweis: Culturespaces
  • 04. November 2022

Bruno Monnier: „Unsere Arbeit hat immer einen Bezug zum Ort

Von Mareike Hengstermann | tts agentur05 GmbH

Paris/Dortmund — Mit „Phoenix des Lumières“ eröffnet das französische Kulturunternehmen Culturespaces sein erstes Zentrum für digitale Kunst in Deutschland. Dass es sich bei dem Standort um die ehemalige Phoenixhalle in Dortmund handelt, ist kein Zufall. Bruno Monnier, Gründer von Culturespaces, ist davon überzeugt, dass die Bedeutung des Standortes und des Ausstellungsgebäudes großen Einfluss auf die ausgestellte Kunst hat sowie auf die Menschen, die sie besuchen.

Herr Monnier, Sie haben Culturespaces 1990 gegründet und sich von Anfang an auf das Management von europäischen Denkmälern und Museen spezialisiert. Im Jahr 2012 kam mit Carrières des Lumières im französischen Les Baux-de-Provence das erste von heute neun Zentren für digitale Kunst dazu. Welches Ziel liegt dem zugrunde?

Monnier: Wir möchten Kunst für alle Menschen zugänglich machen. Indem wir die Gemälde großer Künstler von ihren ursprünglichen Plätzen in den Museen entkoppeln und ihre Werke in digitaler Form zu den Menschen in aller Welt bringen, tragen wir dazu bei, den Zugang zur Kunst zu demokratisieren.

Nicht nur den Werken der Künstler messen Sie eine hohe Bedeutung bei. Ebenso wichtig sind für Sie die Gebäude, in denen die Kunst präsentiert wird.

Monnier: Ja, das stimmt. Wir legen großen Wert darauf, für unsere Ausstellungen das richtige Gebäude am richtigen Standort zu finden - während meiner jahrzehntelangen Arbeit mit Kunst habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, dass wir Menschen Zugang zu Orten haben, mit denen wir durch unsere Geschichte verbunden sind. Diese Orte können unsere Fantasie beflügeln, tiefe Gefühle in uns hervorrufen und uns zurückwerfen auf die Frage, wer wir sind und wie wir leben. Unsere Arbeit mit der Kunst hat deshalb auch immer einen Bezug zum Ort.

Welche Kriterien muss ein Gebäude als Zentrum für immersive Kunst erfüllen?

Monnier: Da gibt es mehrere Ebenen. Zum einen haben wir klare räumliche Vorgaben, die erfüllt sein müssen. Um allein die Dimension unserer Ausstellungen abzudecken, benötigen wir meterhohe Decken – in Dortmund sind sie beispielsweise bis zu 13 Meter hoch – und viele, viele Quadratmeter große Wände. Natürlich braucht der Standort eine sehr gute Infrastruktur - auch was die digitalen Möglichkeiten angeht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass wir die Kunst ausschließlich in Gebäuden mit Geschichte präsentieren. Wir sind überzeugt davon, dass auch der Ort der Ausstellung auf das Erleben von Kunst Einfluss hat. In Dortmund haben wir uns deshalb für die alte Gasgebläsehalle auf dem Phoenixplatz entschieden. In New York haben wir im September dieses Jahres eine Ausstellung im ehemaligen Emigrant Bank Building eröffnet – einem Gebäude im Beaux-Arts-Stil, das in den 1920er Jahren als größte „Sparkasse“ der Vereinigten Staaten galt und im Februar 1982 in das National Register of Historic Places aufgenommen wurde . So hat jedes Gebäude seine Geschichte, die für uns auch heute noch spürbar ist.

Wie das erwähnte Emigrant Bank Building in New York, stehen die Gebäude oft unter Denkmalschutz. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Monnier: Bei jedem Gebäude legen wir Wert darauf, dass so viel wie möglich von dem Originalbau erhalten und weiterhin sichtbar bleibt. Wir sind bereits in der Herangehensweise sehr vorsichtig. So behandeln wir beispielsweise die Wände und Decken unserer Hallen mit einer ganz speziellen grauen Farbe, die sich nachher immer wieder rückstandslos abwaschen lässt. Wir versuchen, so wenig wie möglich zu verändern, damit wir den Ursprungszustand immer wieder herstellen können. Auch sonstige charakteristische Merkmale von Gebäuden erhalten wir und integrieren sie in unsere Ausstellungen. In Dortmund beispielsweise haben wir darauf geachtet, die alten Metallstreben an der Decke nicht zu verändern. Im Gegenteil: Wir haben sie - ebenso wie die Oberlichtfenster und Backsteinelemente unter der Decke - in die Ausstellung integriert. Das macht unsere digitale Kunstpräsentation so aufwendig: Unser Bestreben ist es, die vielen und facettenreichen Kunstwerke so aufzubereiten und zu arrangieren, dass sie zum Gebäude passen. In der Ausstellung scheinen sie wie dafür gemacht und können doch für sich in ihrer Einzigartigkeit stehen. Dasselbe gilt auch für die Musik. Auch sie wird eigens für jedes historische Gebäude neu komponiert oder zusammengestellt.

Das heißt also: Erst kommt das Gebäude, dann der Künstler?

Monnier: Zuerst suchen wir das Gebäude aus. Das muss stimmen. Auch die Kunst muss passen, aber unsere Ausstellungen wechseln. Und genau das ist ja unsere Expertise: die Werke berühmter Künstler so erlebbar zu machen, dass sie scheinbar mit dem Gebäude verschmelzen. Deshalb ist auch die Ausstellung ein und desselben Künstlers immer wieder anders – je nachdem, wo wir sie auf der Welt zeigen.

Nach welchen Kriterien werden die Künstler für die Ausstellungen gewählt?

Monnier: Wir versuchen, in unseren immersiven Ausstellungen eine möglichst breite Palette an Kunstrichtungen abzudecken und die jeweils berühmtesten Künstler ihres Faches zu zeigen. Darüber hinaus sollten unsere Künstler über eine große Anzahl an Werken verfügen. Wir sprechen hier von rund 300 bis 450 Werken, die wir mindestens benötigen, um sie in digitaler Form aufzubereiten und zu einem wirklich immersiven Erlebnis zu machen. Zudem sollten die Bilder nicht zu hell oder zu dunkel sein. Nicht jede Farbwelt eignet sich gleichermaßen, um in digitaler Form eindrucksvoll präsentiert werden zu können.

Was macht in Ihren Augen das Konzept von Culturespaces so besonders?

Monnier: Wir kombinieren die klassische und moderne Kunst in einem digitalen Raum. In unseren Ausstellungen finden Sie neben den großen klassischen Künstlern immer auch eine junge, zeitgenössische Ausstellung. In Dortmund ist es etwa die Ausstellung „Journey“, die gemeinsam mit der renommierten Istanbuler Agentur Nohlab realisiert wurde. Diese Kombination begeistert mich immer wieder aufs Neue. Wir möchten die historischen Gebäude mit Leben füllen. Wir möchten sie zu Orten machen, die das Publikum auf eine völlig neue Art und Weise ansprechen. Jedes unserer historischen Gebäude ist einzigartig. Dadurch wird auch jede unserer digitalen Ausstellungen zu einem einzigartigen Erlebnis, das nicht kopiert werden kann.

Die Eröffnung von „Phoenix des Lumières“ findet am 28. Januar 2023 am Phoenixplatz in Dortmund statt.


Ressort: Hochstift

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