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NIS2-Umsetzung: Finnland setzt auf pragmatische Lösungen und vermeidet Bürokratie
„Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie bietet die Chance, die digitalen Risiken des eigenen Unternehmens besser zu steuern“, sagt Peter Sund, CEO des Finnish Information Security Cluster (FISC) ©Liisa Takala
  • 30. März 2026

NIS2-Umsetzung: Finnland setzt auf pragmatische Lösungen und vermeidet Bürokratie

Von Lukas Schenk / Lena Hohlstein | Sputnik GmbH

Helsinki – Mit der Network and Information Security (NIS2) Richtlinie will die EU durch strengere und einheitliche Cybersicherheitsvorgaben die Widerstandsfähigkeit kritischer Sektoren gegen Cyberkriminalität und böswillige Angriffe in ganz Europa stärken. In Deutschland ist das Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) bereits seit Dezember 2025 in Kraft und setzt die Wirtschaft enorm unter Druck. Rund 30.000 Unternehmen aus 18 Sektoren sind davon betroffen. Nach Ablauf der ersten Registrierungsfristen im März herrscht vielerorts Unsicherheit bei der konkreten Umsetzung, der Aufsichtspraxis und den komplexen Meldepflichten. Der Blick nach Finnland bietet eine hilfreiche Orientierung: Dort wurden EU-Vorgaben bereits im April 2025 erfolgreich umgesetzt – mit einem Ansatz, der auf Pragmatismus und Kooperation setzt und Bürokratie vermeidet.

Ein Schlüsselfaktor für den finnischen Erfolg ist die tief verwurzelte Sicherheitskultur – ein gemeinsames Verständnis von Sicherheit als zentralem Aspekt, den alle Beteiligten tagtäglich leben und fördern. Basierend auf einem „Whole-of-Society“-Ansatz, bei dem Staat, Wirtschaft und Gesellschaft eng kooperieren, konnte die NIS2-Richtlinie pragmatisch umgesetzt werden: Mit dem Cybersicherheitsgesetz (124/2025) hat Finnland die Vorgaben der NIS2-Richtlinie in einem nationalen Gesetz gebündelt. Die speziellen Anforderungen, die Behörden betreffen, wurden in das Gesetz über das Informationsmanagement in der öffentlichen Verwaltung integriert. Dadurch profitieren Unternehmen und öffentliche Einrichtungen von deutlich mehr Transparenz und klareren Zuständigkeiten im Bereich der Cybersicherheit. Das Gesetz stärkt die nationale Cybersicherheit, indem es Mindestanforderungen für das Risikomanagement und die verpflichtende Meldung von Sicherheitsvorfällen definiert, die für viele kritische Branchen und Unternehmen gelten. „In Finnland ist die Sicherheit der Gesellschaft eine gemeinsame Aufgabe, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert“, erklärt Peter Sund, CEO des Finnish Information Security Cluster (FISC). „Dieser kooperative Geist hat es uns ermöglicht, die NIS2-Anforderungen effizient zu integrieren, da die meisten kritischen Unternehmen bereits über hohe Sicherheitsstandards verfügten.“

Der Fokus bei der NIS2-Umsetzung lag auf einem einheitlichen, risikobasierten Vorgehen, das auf Vertrauen statt auf übermäßige Kontrolle setzt. So verzichtet das finnische Gesetz bewusst auf ressourcenzehrende, regelmäßige Pflicht-Audits für alle betroffenen Unternehmen. Stattdessen müssen Organisationen ein funktionierendes und nachweisbares Risikomanagement etablieren, das auf ihre spezifischen Gegebenheiten zugeschnitten ist. Dies ermöglicht es Unternehmen, Ressourcen in tatsächliche Sicherheitsmaßnahmen zu investieren, anstatt sie für reine Compliance-Nachweise zu binden.

Vom IT-Problem zur Chefsache: Kulturwandel für mehr Resilienz

Ein weiterer entscheidender Punkt des finnischen Modells ist die klare Adressierung der Unternehmensführung. Ihre direkte Verantwortlichkeit wird als zentraler Hebel für einen nachhaltigen Wandel betrachtet. „Die persönliche Haftung der operativen Geschäftsführung ist einer der stärksten Motoren für einen Kulturwandel. Sie sorgt dafür, dass Cybersicherheit nicht als reines IT-Thema, sondern als strategische Unternehmensaufgabe verstanden wird, um vielfältige Geschäftsrisiken zu bewältigen, die Auswirkungen auf die breite Gesellschaft haben“, so Sund. Dieser Ansatz stellt sicher, dass notwendige Investitionen und prozessuale Änderungen angemessen priorisiert werden. Das deutsche Umsetzungsgesetz setzt ebenfalls auf Verantwortlichkeit, die praktische Umsetzung und Durchsetzung der persönlichen Haftung sind derzeit jedoch weniger klar und rigide geregelt.

„Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie bietet die Chance, die digitalen Risiken des eigenen Unternehmens besser zu steuern. Cybersicherheit lässt sich entweder budgetieren oder durch eine Krise finanzieren – letzteres ist unkalkulierbar teurer“, so Sund. Darüber hinaus sei angesichts der Zunahme von Cyberkriminalität und anderen Angriffen proaktives Handeln alternativlos: Allein in Finnland werden etwa zwei bösartige Angriffsversuche pro Sekunde registriert. Ein robustes Sicherheitsmanagement wird so zu einem entscheidenden Faktor für die Stabilität der gesamten Lieferkette.

Finnisches Ökosystem: Innovationen für die digitale Souveränität

Finnland hat eines der am weitesten entwickelten Cybersecurity-Ökosysteme Europas. Die Marktgröße ist vergleichbar mit der Spaniens, bei einem Bruchteil der Bevölkerung. Mit seiner Spitzenposition im internationalen Cybersecurity-Ranking und einer hohen Dichte an Technologie-Unternehmen bietet Finnland die Ressourcen, die in Deutschland stark nachgefragt sind. Finnische Firmen sind führend in entscheidenden NIS2-relevanten Bereichen wie Post-Quantum-Verschlüsselung, Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM), sicheren Komponenten wie Chips, Cybersicherheitsdiensten für KMU sowie KI-gestützter Bedrohungserkennung. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet der Zugang zu diesen erprobten Lösungen und der dahinterstehenden Expertise – beispielsweise durch bilaterale Kooperationen, Austauschprogramme und gemeinsame Innovationsnetzwerke – eine Chance, die eigene digitale Souveränität zu stärken und die Herausforderungen der NIS2-Umsetzung erfolgreich zu meistern.

Weitere Informationen zu Business Finland unter:

www.businessfinland.com




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