Berlin - In der Faschings- und Karnevalswoche ab Weiberfastnacht verzeichnen Notaufnahmen in vielen Regionen einen Anstieg an Verletzten. Die meisten Fälle sind zwar eher leicht, summieren sich aber insbesondere in Städten mit großen Karnevalsveranstaltungen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. „Typisch für diese Zeit sind Schnittwunden, Gelenkverletzungen, vor allem der Sprunggelenke, sowie Verletzungen nach Stürzen oder Auseinandersetzungen“, sagt DGOU-Präsident Professor Dr. Frank Hildebrand. Häufig handele es sich um alkoholbedingte Stürze, etwa bei Fußgängern oder Nutzerinnen und Nutzern von Fahrrädern und E-Scootern.
Wie stark die Notaufnahmen gefordert sind, hängt maßgeblich von der Lage des Krankenhauses ab. Kliniken in unmittelbarer Nähe großer Umzüge oder Feierbereiche verzeichnen deutlich höhere Fallzahlen als Häuser in ruhigeren Stadtteilen. In Kliniken außerhalb der unmittelbaren Veranstaltungszentren bleibt es häufig beim Regelbetrieb. Dennoch kann es auch dort zu einer Fallzahlsteigerung von rund 10 bis 15 Prozent kommen, insbesondere nachts und an den Karnevalstagen mit lokalem Brauchtum. „Wo gefeiert wird, steigt die Anzahl der Verletzten. Weil solche Ereignisse jedes Jahr wiederkehren und gut vorhersehbar sind, können Rettungsdienste und Krankenhäuser sich rechtzeitig darauf einstellen und Personal sowie Kapazitäten anpassen“, sagt Privatdozent Dr. Sebastian Imach, der als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Kliniken der Stadt Köln arbeitet und in der Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) mitarbeitet.
Die überwiegend unfallbedinten Knochen- und Gelenkverletzungen machen die Orthopädie und Unfallchirurgie in der Karnevalszeit besonders gefragt. Die schnelle, fachärztliche Einschätzung der Verletzungsfolgen ist entscheidend, um Patientinnen und Patienten zügig zu versorgen.
Alkoholkonsum spielt bei vielen Unfällen eine zentrale Rolle. Er erhöht das Risiko für Stürze und Verkehrsunfälle sowie für gewaltassoziierte Auseinandersetzungen. Müdigkeit dagegen wird in der klinischen Praxis deutlich seltener als Unfallursache beobachtet.
„Die Karnevalszeit zeigt, dass Orthopädie und Unfallchirurgie auch bei kurzfristigen Belastungsspitzen verlässlich funktionieren“, sagt Prof. Dr. Sascha Flohé, DGU-Generalsekretär und stellvertretender Generalsekretär der DGOU. Voraussetzung dafür seien jedoch ausreichend Fachärztinnen und Fachärzte sowie stabile personelle Strukturen, damit Kliniken auch in Ausnahmesituationen leistungsfähig bleiben.
Die DGOU wünscht allen Feiernden eine fröhliche und friedliche Karnevalszeit. Wer Alkohol und andere Rauschmittel bewusst und maßvoll genießt und auf Fahrten mit Auto, Fahrrad oder E-Scooter verzichtet, wenn er getrunken hat, leistet einen wichtigen Beitrag dazu, gesund durch die närrischen Tage zu kommen.
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