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Deutscher Lesepreis 2026: Drei Projekte aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet
Herausragendes individuelles Engagement Gefördert von der PwC-Stiftung 1. Platz: Lina Lee: Weil Bücher stark machen: Leseförderung für Kinder in der Krawatte! (Wuppertal in Nordrhein-Westfalen) Team Krawatte: Eicke Graf, Lina Lee, Irmhild Birker, Reem Bittar, Rebecca Immanuel, Dorothee van den Borre ©Stiftung Lesen / Sascha Radke
  • 06. Februar 2026

Deutscher Lesepreis 2026: Drei Projekte aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet

Von Mareike Bier | Stiftung Lesen

Mit Charme, Schürze und frischgebackenem Content: Saliha Özcan – bekannt als Sally – bringt als Deutschlands führende Food Creatorin das Lesen in die Familien der Republik. Für ihren vorbildlichen Einsatz für die Leseförderung erhielt sie in diesem Jahr den Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung. Zusammen mit 15 weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern wurde sie mit dem Deutschen Lesepreis geehrt. Darunter auch ein erster, zweiter und dritter Platz aus Nordrhein-Westfalen. Lina Lee erhält den Deutschen Lesepreis in der Kategorie „Individuelles Engagement“ und das Projekt „RESIST“ von Bahtalo e.V. belegt Platz zwei in der Kategorie „Leseförderung mit digitalen Medien“. In der gleichen Kategorie auf Platz drei landet die Stadtbücherei Bad Oeynhausen mit dem „Medien-Tüftel-Führerschein“.

Frankfurt/Mainz - Rund 250 geladene Gäste, darunter auch die prominenten Lesebotschafterinnen und Lesebotschafter Clarissa Corrêa da Silva, Marc Dumitru, Rebecca Immanuel, Hannah Kaiser und Nicole Staudinger feierten gestern in Berlin die festliche Übergabe des Deutschen Lesepreises an insgesamt 16 Personen und Einrichtungen. Diese wurden aus 400 Einreichungen von einer Jury ausgewählt. „Unsere Preisträgerinnen und Preisträger zeigen: Auch in einer zunehmend digitalisierten Welt bleibt die Lesefähigkeit zentral. Lesen öffnet Türen und ist Voraussetzung, um Alltag, Schule und Beruf zu bewältigen. Von den ausgezeichneten Projekten lernen wir, dass die Vermittlung von Lesekompetenz nicht nur unerlässlich, sondern auch kreativ, sinnstiftend, zuweilen lustig und immer bereichernd ist“, zieht Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen Bilanz. Astrid Kießling- Taşkın, Vorständin der Commerzbank-Stiftung, ergänzt: „Wir bedanken uns bei allen Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind und Kindern Chancen eröffnen. Egal ob in den Bildungseinrichtungen, auf kommunaler oder individueller Ebene und im digitalen Raum: Die Vermittlung von Lesefähigkeit kommt nicht aus der Mode, sondern ist heute wichtiger denn je.“

Der von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung ins Leben gerufene Preis wird unterstützt von den Kategoriepartnern Arnulf Betzold GmbH, Deutscher Städtetag und Deutsche Fernsehlotterie, Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH, PwC-Stiftung, Wort & Bild Verlag sowie dem Medienpartner FUNKE Mediengruppe. Der Deutsche Lesepreis ist insgesamt mit 25.000 Euro dotiert und honoriert den herausragenden Einsatz für die Förderung von Kindern und Jugendlichen in den Kategorien individuelles und kommunales Engagement, Sprach- und Leseförderung in Kitas und in Schulen sowie Leseförderung mit digitalen Medien.

Preisverleihung im Herzen Berlins

Die Preisverleihung im Humboldt Carré in Berlin fand im feierlichen Rahmen statt und wurde von Lesebotschafterin Mona Ameziane moderiert. Schirmherr und Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer bekräftigt: „Der Deutsche Lesepreis zeigt Jahr für Jahr, wie kreativ und vielfältig Leseförderung sein kann. Wer Kinder und Jugendliche für das Lesen begeistert, investiert in die Zukunft unserer Demokratie. Denn Lesen ist der Schlüssel zur Bildung und eine Grundvoraussetzung, um unsere komplexer werdende Welt zu verstehen und mitzugestalten. In diesem Sinn ist der Deutsche Lesepreis nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch ein Signal: Wir alle tragen Verantwortung, Lesekompetenz zu stärken – damit junge Menschen neue Perspektiven kennenlernen und sich eine eigene, gut begründete Meinung bilden können.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Lesepreises 2026

Herausragendes individuelles Engagement

Gefördert von der PwC-Stiftung

1. Platz: Lina Lee: Weil Bücher stark machen: Leseförderung für Kinder in der Krawatte! (Wuppertal in Nordrhein-Westfalen)

Eine ehemalige Krawattenfabrik macht Lina Lee zur Bühne gelebter Leseförderung – interkulturell, inklusiv und traumasensibel. 150 Kinder im Grundschulalter, die meisten mit Flucht- oder Armutserfahrungen kommen in dem von ihr koordinierten Leseclub „Gemeinsam stark – Kinder mit Büchern fördern“ wöchentlich zusammen.

2. Platz: Prof. Dr. Steffen Gailberger: Leseband (Kiel in Schleswig-Holstein)

Das Konzept ist bestechend einfach, aber umso wirkungsvoller: Jeden Tag werden zwanzig Minuten gemeinsame Lesezeit in den Stundenplan integriert – fachunabhängig, verlässlich und diagnosebasiert. Das Leseband versteht Leseförderung nicht als alleinige Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern der ganzen Schule.

3. Platz: Lennart Schaefer: LITERADTOUR – Ein Buchbotschafter, der Deutschland neu fürs Lesen begeistert (Hamburg)

In sieben Monaten fuhr er auf seinem Lastenrad über 10.000 Kilometer durch ganz Deutschland, besuchte 250 Orte der Buchkultur und zeigte die Reichhaltigkeit der deutschen Literaturlandschaft. Aus der Perspektive der Leseförderung noch bedeutender ist Schaefers Ansatz, die „Buch-Bubble“ gezielt zu verlassen und zum Impulsgeber für neuen Spaß am Lesen und mehr Freude an Büchern zu werden.

Herausragendes kommunales Engagement

Gefördert vom Deutschen Städtetag und der Deutschen Fernsehlotterie

1. Platz: Christian Weise Bibliothek: Lesekinder Görlitz (Zittau in Sachsen)

Die „Lesekinder Görlitz“ geben seit 2009 eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie man Kinder im ländlichen Raum erreicht. Rund 70 Lesepatinnen und Lesepaten besuchen regelmäßig 63 Kitas und 11 Grundschulen, organisieren jährlich hunderte Vorlesestunden, Sonderaktionen mit Fahrbibliothek, Autorenbegegnungen oder Theaterbesuche und bringen Kinder mit dem Projektbus in die Bibliothek.

2. Platz: Stadtschulamt Frankfurt am Main: „Frankfurter Bücherkoffer“ (Frankfurt am Main in Hessen)

Jeder Bücherkoffer bringt zwölf bilinguale Bilderbücher in über 50 Sprachen in die Elternhäuser von über 3.500 Grundschulkindern mit einer nichtdeutschen Familiensprache und einem erschwerten Zugang zu Bildung. Woche für Woche wandern die Koffer und ermuntern die Eltern, mit ihren Kindern zu lesen und zu sprechen.

3. Platz: Stadtbibliothek Naumburg & Partner: An die Bücher, fertig, LosLesen! (Naumburg in Sachsen-Anhalt)

Eine Sammlung von Bilderbüchern wird vorgelesen und diskutiert, aus denen die Kinder schließlich die eigenen Favoriten auswählen. Im Anschluss werden die Lieblingsbücher kreativ inszeniert und per Plakat, Broschüre und einer mehrmonatigen Ausstellung der Stadtgesellschaft präsentiert. Das Engagement der Kinder verlängert sich damit aus der Kita hinaus und bindet ihre Familien und weitere Interessierte mit ein.

Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas

Gefördert von Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH

1. Platz: Kita Mandala (Magdeburg in Sachsen-Anhalt)

Hier werden Buch und Lesen schon früh zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Alltags. Bücher und Vorlesegelegenheiten finden die Kinder praktisch überall und dank der Begegnung mit ihnen lernen sie den Wert von Büchern kennen und entwickeln die Vorfreude, sie selbst lesen zu können.

2. Platz: Kita Nils Holgersson (Kassel in Hessen)

Im Zentrum des vielfältigen Förderangebots steht die von der Kita eigeninitiativ aufgebaute Kinderbibliothek: Als Leseraum, Medienzentrum, Werkstatt und Begegnungsort in einem ist sie der Platz, den der Stadtteil braucht. Die Bücher stehen hier buchstäblich auf Augenhöhe und lassen Geschichten aus Büchern zu Erlebnissen im eigenen Leben werden.

3. Platz: Ev.-Luth. Kindertagesstätte Haus in der Sonne (Lübeck in Schleswig-Holstein)

Unter dem Motto „Sprache verbindet“ macht die integrative Kita „Haus in der Sonne“ Literacy zum Herzstück ihrer Arbeit. Eine eigene Kita‑Bücherei mit über 1.500 Titeln, in der ganzen Einrichtung verteilte Leseecken für alle 85 betreuten Kinder, Kamishibai, Bilderbuchkino, ritualisierte Vorleseangebote und Erzählrunden sorgen für regelmäßige Leseerfahrungen.

Herausragende Leseförderung an Schulen

Gefördert von der Arnulf Betzold GmbH und Lehrmittelverlag/Schulversand

1. Platz: Grundschule Erlangen - Tennenlohe (Erlangen in Bayern)

Für alle verbindlich und fächerübergreifend angelegt, beinhaltet das Förderkonzept das Selberlesen, Zuhören und den Einsatz digitaler Bildungsangebote: Podcasts, Frontread, Lesepässe, Tandem‑Stunden, Vorlesepausen von Großen für Kleine, ehrenamtliche Lernengel und Lesepaten – all diese Maßnahmen und noch manche mehr knüpfen ein dichtes Netz, das von benachteiligten bis begabten allen Kindern dient.

2. Platz: Uta-Schule Naumburg (Naumburg in Sachsen-Anhalt)

Weil der Besuch einer Bibliothek für eine Vielzahl von Familien aus nicht-deutschen Herkunftsländern eine große Überwindung bedeutet, erhalten die Grundschulkinder mit „Utas Lesebeutel“ immer freitags drei altersgerechte und schön gestaltete Bücher in ihrer Familiensprache und weiteren Sprachen, eine zweisprachige Elternanleitung inklusive. So wird das Wochenende zur gemeinsamen Lesezeit in den Familien, am Montag werden die Lieblingsgeschichten wieder in der Klasse geteilt.

3. Platz: Mittelschule Mühldorf (Mühldorf am Inn in Bayern)

Die Mittelschule Mühldorf verankert Leseförderung in allen Jahrgangsstufen mit verschiedenen Klassenmodellen, Lesetechniken, digitalen Programmen, ihrem Leseclub und dem Einsatz von Schulhunden. Die Schulbibliothek und ein eigenes Modellzimmer mit Leselandschaft schaffen attraktive Zugänge zu Büchern. Besuche in Bücherei, Buchhandlung, Theater und Kino schlagen Brücken zur Lese- und Kulturförderung in die Stadt.

Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien

Gefördert vom Wort & Bild Verlag

1. Platz: Mia: Mias Leseecke – Der Podcast über Kinderbücher (Trier in Rheinland-Pfalz)

Die achtjährige Mia empfiehlt in ihrem Podcast „Mias Leseecke“ Bücher, liest vor, interviewt Autorinnen und Autoren und erzählt, was in einem Buch für sie ganz persönlich wichtig ist – und macht damit ganz nebenbei erfolgreiche Leseförderung für ihre Altersklasse.

2. Platz: Bahtalo e.V.: RESIST! - Deine Story, Deine Stimme! (Duisburg in Nordrhein-Westfalen)

Das Projekt „RESIST! – Deine Story, Deine Stimme“ macht Jugendlichen, die oft übersehen werden, ein starkes Angebot: Die Lektüre von Graphic Novels bildet den Einstieg. Smartphones, Podcasts und Videos dienen im Anschluss als Werkzeuge für die eigene Medienproduktion. So werden die Jugendlichen von passiven Konsumenten zu aktiven Produzenten, die lesen, auswählen, strukturieren, gestalten.

3. Platz: Stadtbücherei Bad Oeynhausen: „Medien-Tüftel-Führerschein“ (Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen)

Der „Medien‑Tüftel‑Führerschein“ lässt Vorschul‑ und Grundschulkinder Geschichten mit Stop‑Motion, Robotik und Augmented Reality entdecken. Tablets, digitale Tafeln und kindgerechte Apps werden zu Werkzeugen des Erzählens. Pädagogische Fachkräfte werden qualifiziert, damit die Module in Kitas und Offenem Ganztag nachhaltig an- und weiterlaufen.

Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung

Saliha Özcan ist Deutschlands führende Food Creatorin, Unternehmerin und SPIEGEL Bestseller Autorin. Seit zwölf Jahren prägt sie mit ihrer Marke „Sallys Welt“ den deutschsprachigen Food- und Lifestyle Markt und hat aus einem einzigen YouTube-Video ein Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden und drei Standorten aufgebaut. Mit über 2,18 Millionen Abonnenten auf YouTube, mehr als 4 Millionen Followern über alle Plattformen und monatlich über 20 Millionen Videoviews zählt sie zu den einflussreichsten digitalen Stimmen im Bereich Kochen, Backen und Haushalt. Neben ihrem unternehmerischen Engagement ist sie Lesebotschafterin der Stiftung Lesen. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sally steht für Qualität, Glaubwürdigkeit, Innovation und Familiennähe. Sie zeigt, wie digitale Marken zu nachhaltigen Unternehmen werden – und darüber hinaus echte Chancen schaffen können.

Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin der Commerzbank-Stiftung, begründet die Auszeichnung: „Saliha Özcan zeigt, wie man wichtige, ernste Themen mit Leichtigkeit verpackt und dabei auch noch Reichweite sinnvoll nutzt. Mit ihrer Leidenschaft und ihrem Einsatz für Bildung erreicht sie Familien dort, wo sie sind – und macht Lesen zum festen Bestandteil des Alltags.“

Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, ergänzt: „Mit Saliha Özcan ehren wir eine Persönlichkeit, die Verantwortung übernimmt. Ihr Engagement für das Lesen ist glaubwürdig, kreativ und wirkungsvoll – und das macht sie zu einem echten Vorbild für viele andere. Wir gratulieren ganz herzlich zum Deutschen Lesepreis.“

Der Deutsche Lesepreis

PISA-, IGLU-, Vorlesemonitor der Stiftung Lesen und IQB-Berichte zeigen für die Lesekompetenz von Kindern in Deutschland seit Jahren große Defizite auf: Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen kann nicht gut lesen. Ihnen wird kaum oder nur wenig vorgelesen und sie verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz. Um die Leseförderung für junge Menschen zu stärken und öffentlich sichtbar zu machen, vergeben die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung seit 2013 den Deutschen Lesepreis in den sechs Kategorien individuelles und kommunales Engagement, Sprach- und Leseförderung in Kitas und in Schulen, Leseförderung mit digitalen Medien sowie prominentes Engagement.


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