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Deutschland vergibt Chance auf Milliardenmarkt: Zahlen und Fakten zum Cannabisgeschäft
Cannabis ©Gerald Kaufmann
  • 23. Oktober 2023

Deutschland vergibt Chance auf Milliardenmarkt: Zahlen und Fakten zum Cannabisgeschäft

Von Hr. Tahssin Asfour

Berlin - Mit der halbherzigen und holprigen Legalisierung von Cannabis vergibt Deutschland die Chance auf einen milliardenschweren neuen Markt und tausende Arbeitsplätze. Das legt eine intensive Recherche der Redaktion von yippy Green nahe, einer Suchmaschine rund um Cannabis. Auf eine Übersichtsseite hat das Informationsangebot alles Wissenswerte und die jeweiligen Ergebnisse der Untersuchung im Detail zusammengefasst: https://yippy.green/de/topic/cannabis-legalisierung-deutschland-potenzial  

Die Redaktion hat sich dafür die bereits bekannte Studie der Universität Düsseldorf zum Marktpotenzial von Cannabis vorgenommen und zusätzlich nachgeforscht, wie es in anderen Ländern und Regionen der Welt aussieht.  

Ein Beispiel: Die Uni Düsseldorf schätzt, dass Cannabis 27.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte. Aber was bedeutet diese Zahl eigentlich? Sie entspricht fast exakt den deutschen Brauereien: 27.900 waren es hier im Jahr 2022. Im deutschen Weinbau sind es etwa 17.000 Personen in Vollzeit. In der Tabakindustrie knapp 7.500. Allein die neuen Arbeitsplätze könnten dem Staat über 500 Millionen Euro an Sozialbeiträgen und fast 300 Millionen Euro mehr Lohnsteuer einbringen, hatte die Universität berechnet. 

Cannabis im Vergleich zu anderen Industrien

Darüber hinaus hatte die Uni-Studie ergeben, dass Cannabis in Deutschland einen jährlichen Umsatz von etwa 4 Milliarden Euro einbringen könnte: Voraussetzung dafür wäre eine vollständige Legalisierung, wie sie bereits in anderen Ländern und Regionen erfolgt ist. 
Im Vergleich dazu liegt der Umsatz mit Bier in Deutschland bei gut 20 Milliarden Euro. Der Umsatz mit Zigaretten lag im Jahr 2022 bei 21,9 Milliarden. Am ehesten vergleichbar ist die Schätzung für Cannabis mit der deutschen Weinindustrie: Die setzte 2022 knapp 3,2 Milliarden Euro um. Spirituosen kommen auf knapp 2,5 Milliarden Euro (siehe Tabelle im PDF).

Deutschland im internationalen Vergleich

Aber wie realistisch ist die Schätzung von 4 Milliarden Euro pro Jahr? Dazu hat die Redaktion von yippy Green Zahlen und Fakten aus anderen Ländern und Regionen der Welt gesammelt. Das Ergebnis: Die Zahl der Universität Düsseldorf erscheint konservativ.

Rechnet man Umsätze aus anderen Gebieten mit legalem Genusscannabis auf die deutsche Bevölkerung hoch, zeigt sich: Nur Uruguay liegt unterhalb der Schätzung, alle anderen teils deutlich darüber.

Beispiele: Hätte der US-Bundesstaat Michigan (10 Millionen Einwohner) dieselbe Größe wie Deutschland, entspräche der dortige Markt für medizinischen Cannabis und Genusscannabis 26 Milliarden Euro pro Jahr – sechs Mal höher als die Prognose der Uni Düsseldorf. Colorado, das Cannabis bereits seit 2014 vollständig legalisiert hat, käme immerhin auf 24,5 Milliarden. Und Colorados südlicher Nachbar New Mexico auf 19,7 Milliarden. 

Ein Teil dieser Umsätze ist auf Cannabis-Tourismus zurückzuführen. So ist Texas mit seinen 30 Millionen Einwohnern New Mexicos östlicher Nachbar und dort ist Marihuana weiterhin illegal. Zugleich ist der Trend in den USA klar: 24 der 50 Bundesstaaten haben Cannabis inzwischen vollständig legalisiert (siehe Tabelle im PDF).

Kalifornien als warnendes Beispiel

Wie eine Cannabislegalisierung misslingen kann, zeigt zum Beispiel Kalifornien mit seinen rund 40 Millionen Einwohnern. San Francisco als Synonym für die Hippiekultur etwa hatte schon lange vor der Legalisierung eine aktive Szene. Seit 2018 wird Cannabis nun auch in diesem US-Bundesstaat für den Freizeitkonsum offiziell verkauft. Im Vergleich sind die Zahlen aber bescheiden. 

Fürs erste Halbjahr 2023 vermeldete die Industrie „steuerpflichtige Cannabisumsätze“ im Wert von knapp 2,6 Milliarden US-Dollar. Dies beinhaltet alle Produkte, die in den Shops verkauft werden, also auch Zubehör. Hochgerechnet auf Deutschland und umgerechnet in Euro ergibt das knapp 10 Milliarden Euro im Jahr.

Ein Problem in Kalifornien: 61 Prozent der Städte und Counties (Landkreise) verbieten den Verkauf von Cannabis. Deshalb gibt es in Kalifornien insgesamt nur 1.216 Dispensaries. Das viel kleinere Colorado (5,8 Millionen Einwohner) hat 1.529. 

Die komplexe Bürokratie und aggressive Besteuerung werden als weitere Hürden genannt. Auch deshalb ist der illegale Markt vermutlich weiterhin doppelt so groß wie der legale Markt. Die Umsätze der Dispensaries sind in den letzten zwei Jahren sogar geschrumpft.

Ähnlich Uruguay: Zwar war es 2014 das erste Land, das Cannabis umfassend legalisierte. Die Umsetzung aber verlief schleppend und die Regeln sind so streng, dass der illegale Markt weiterhin dominiert: Er ist nach Schätzungen doppelt so groß wie der legitime Markt.

 


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