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Steht El Niño in den Startlöchern?
Orangene bis rote Farben vor der Küste Südamerikas deuten aktuell auf eine deutliche Erwärmung des Meeres hin. Dargestellt sind die Abweichungen der Temperatur des Oberflächenwassers gegenüber dem langjährigen Mittel ©NOAA
  • 22. März 2023

Steht El Niño in den Startlöchern?

Von Niklas Weise | WetterOnline

Phänomen im Ostpazifik

Nach drei aufeinanderfolgenden Jahren mit La Niña, einer Temperaturanomalie im Ostpazifik, könnte in diesem Jahr das Gegenstück El Niño, spanisch „das Christkind“ folgen. Das Phänomen bringt anstatt Geschenken das weltweite Wetter durcheinander. Dabei sorgt das überdurchschnittlich warme Meerwasser vor der Küste Südamerikas für viel Regen und ein Fischsterben. Südostasien und Australien leiden unter Dürre. Die Auswirkungen auf das Wetter in Europa sind komplexer.

El Niño ist eine Wetteranomalie im äquatorialen Pazifik, die in unregelmäßigen Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren vor allem im Pazifik zwischen Südamerika und Indonesien auftritt. Dabei bringt sie die Atmosphäre und die Meeresströmungen in einigen Erdteilen durcheinander. Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung eines solchen Ereignisses wird von Experten in diesem Sommer auf derzeit 55 Prozent geschätzt.

„Das hätte für die unmittelbar an den Pazifik grenzenden Regionen große Wetterkapriolen zur Folge. El Niño beeinflusst je nach Ausprägung aber auch das globale Klima, denn die Wärme des Wassers gelangt über die Verdunstung auch in die Atmosphäre“, erklärt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Stärke von El Niño entscheidend

Von El Niño spricht man dann, wenn die Temperatur des Oberflächenwassers im zentralen Pazifik in drei aufeinanderfolgenden Monaten im Durchschnitt 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel liegt. Die meisten El Niños sind eher schwach ausgeprägt. Ein starkes Ereignis gab es zuletzt zum Jahreswechsel 2015/2016. Dieser El Niño galt mit mehr als 3 Grad wärmerem Wasser als der drittstärkste seit 65 Jahren. Infolgedessen erwärmte sich die Atmosphäre 2016 auf ein Rekordniveau.

Theorien zur Entstehung von El Niño

Über die Ursachen des El-Niño-Phänomens wird immer noch spekuliert. Manche Forscher führen seine Entstehung auf die Sonneneruptionen zurück. Alle vier Jahre verändert sich dabei die Intensität dieser Eruptionen. Die dadurch abgestrahlte Energie nimmt einen Einfluss auf unser Klima. Wie stark dieser ist, bleibt aber umstritten. Am Äquator ist die Sonneneinstrahlung am stärksten, weshalb dort die Meerestemperatur in der Regel im Oberflächenwasser vergleichsweise am wärmsten ist. Wenn durch eine rege Sonnenaktivität die Strahlung noch intensiver wird, dann erwärmt sich das Meer auch etwas stärker. Da sich wegen des Hochdruckgebiets über dem zentralen Pazifik kaum oder keine Wolken bilden, kann auch mehr Sonnenstrahlung "ungefiltert" auf die Meeresoberfläche treffen.

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