
In der Licht-Show LUMINISCENCE lernen die Zuschauenden etwas über die Geschichte und die „Seele“ des Paderborner Doms. Dompropst Göbel freut sich auf die Vorstellungen ab dem 6. November und berichtet im Interview davon, was die Menschen erwartet.
Von Jasmin Lobert
Redaktion: Herr Dompropst Göbel, warum haben Sie sich entschieden, LUMINISCENCE in den Paderborner Dom zu holen?
Dompropst Msgr. Joachim Göbel: Als mich über den Münsteraner Dompropst die Anfrage für die Show erreicht hat, lud uns das Unternehmen hinter LUMINISCENCE nach Nürnberg in die Lorenzkirche ein. Dort habe ich die Show zusammen mit unserem Domkapellmeister und Domdechanten gesehen. Und ich muss wirklich sagen: Das war ein Erlebnis in einer Kirche, dass ich so noch nie hatte.
Redaktion: Inwiefern?
Dompropst Göbel: Ich habe schon einige Kirchenilluminationen gesehen. Da werden farbige Lichter aufgebaut und kurze Texte vorgelesen. Aber LUMINISCENCE ist wirklich etwas völlig anderes, sowohl inhaltlich als auch technisch. Ich war wirklich überwältigt.
Redaktion: Was erwartet die Zuschauenden in der Licht- und Klang-Show? Können Sie uns ein paar Einblicke geben?
Dompropst Göbel: Der Dom bekommt eine Stimme und erzählt seine Geschichte aus der Ich-Perspektive von der Gründung bis in die neueste Zeit. Und dann geht es durch die einzelnen Epochen der Baugeschichte. Die Illuminationen und auch die Musik sind jeweils passend zu der jeweiligen Epoche gewählt. Den Sprechertext hat das Unternehmen hinter LUMINISCENCE in enger Zusammenarbeit mit unserem Museumsdirektor Dr. Holger Kempkens entwickelt. Ich durfte auch einen Blick auf den Text werfen, der von Iris Berben eingesprochen wird.
Redaktion: Worauf mussten Sie bei der Planung der Licht-Show im Paderborner Dom achten?
Dompropst Göbel: Die deutschen Macher von LUMINISCENCE möchten in jeder Vorstellung Livemusik. Das heißt, wir brauchen immer einen Chor von etwa zehn bis zwölf Sängerinnen und Sängern und einen Organisten. Wenn es von Mittwoch bis Sonntag immer drei Vorstellungen am Abend gibt und das Ganze mehrere Monate geht, ist das eine personelle Belastung für die Dommusik – auch wenn sie von dem Unternehmen für die Auftritte bezahlt werden. Also mussten erstmal unsere Musikerinnen und Musiker sagen: Wir stemmen das.
Redaktion: Wie stellen Sie sicher, dass der Dom in und um die Show herum seinen Charakter nicht verliert?
Dompropst Göbel: Domdechant Dr. Gregor Tuszynski und ich haben uns in Nürnberg am Tag nach der Show die Kirche angeschaut, weil wir wissen wollten, wie sich die ganze Technik im Kirchraum macht. Obwohl es viel Technik ist, war sie relativ unauffällig. Im Grunde sind es vier graue Kästen mit Projektoren obendrauf, die hinter Säulen versteckt werden können. Dadurch wirkt die Kirche nicht wie eine Studiobühne. Ihr Charakter bleibt gewahrt. Also haben wir uns zusammen mit dem Domkapitel dafür entschieden, den Paderborner Dom zur Verfügung zu stellen.
Redaktion: Wie haben Sie darüber hinaus die gemeinsame Zusammenarbeit bisher erlebt?
Dompropst Göbel: Die Köpfe hinter den LUMINISCENCE-Shows kennen sich ausgezeichnet aus auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, Kultur und Musik. Ansonsten war die Zusammenarbeit sehr respektvoll. Wegen der Vorstellungen haben wir zum Beispiel einige Gottesdienste in die Gaukirche verlegt. Aber es gibt andere, wie zum Beispiel der deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst, die können wir weder absagen noch verlegen. An diesem Tag gibt es dann keine Vorstellung und das war für alle Beteiligten in Ordnung.
Redaktion: Was kann eine Licht- und Klangshow über den Paderborner Dom erzählen, was eine klassische Domführung vielleicht nicht vermitteln kann?
Dompropst Göbel: Wenn eine Oma ihr Leben erzählt, dann ist das immer spannend. Da hört man zu. Und so ähnlich ist es bei LUMINISCENCE. Weil der Dom aus der Ich-Perspektive erzählt, wird es fast persönlich. Mit der punktgenauen Lichtshow wird dargestellt, wie der Dom Stein für Stein aufgebaut wurde. Es ist fast wie ein Film, der an die Wände projiziert wird. Dann kriegen Sie natürlich einen sehr lebendigen Eindruck davon, was das heißt, so ein Bauwerk zu errichten. Sowas kann eine klassische Domführung nicht leisten.
Redaktion: Gibt es bei dieser Show auch eine spirituelle Komponente?
Dompropst Göbel: Der Sprechertext ist nicht fromm, also die Zuschauerinnen und Zuschauer hören keine Predigt. Aber es gibt natürlich immer wieder religiöse Anklänge. Wenn zum Beispiel erklärt wird, wieso der Dom nach Osten ausgerichtet wird. Dann wird auch Jesus Christus, Ostern und das Symbol des Lichtes thematisiert: Wer steht für die aufgehende Sonne und was bedeutet das? Die Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren etwas über die Idee der Baumeister des Mittelalters – und die waren eben gute Theologen.
Redaktion: Die Show versucht den Menschen die „Seele“ des Doms näherbringen. Was würden Sie sagen, ist die Seele des Doms?
Dompropst Göbel: Im Grunde ist der Dom ja ein begehbares Symbol. Denn die Bauidee ist, das himmlische Jerusalem auf die Erde zu bringen, wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben ist. Wenn man sich einfach mal in die Bank setzt und den Kirchraum auf sich wirken lässt, kann man eine Idee davon bekommen, was das bedeutet.
Redaktion: Wenn jemand nach den rund 50 Minuten Show den Dom verlässt: Mit welchem Gedanken oder Gefühl würden Sie diese Person gerne nach Hause gehen sehen?
Dompropst Göbel: Also ich sage mal: irgendwas zwischen berührt und begeistert. Wie bei einem richtig guten Kinofilm: Da ist man direkt nach der Aufführung begeistert, spricht aber auch drei Tage später noch davon. Wenn wir das mit LUMINISCENCE schaffen, würde ich mich sehr freuen. Vielleicht bekommt der ein oder andere dadurch nicht nur einen anderen Blick auf den Dom, sondern auf alle Kirchen.
Nach erfolgreichen deutschen Gastspielen in Münster, Nürnberg und Hamburg kommt das Live-Erlebnis LUMINISCENCE nun in den Hohen Dom zu Paderborn.
Mit modernster 360°-Projektionstechnik, eindrucksvollen Lichteffekten, einer eigens arrangierten Musik, Live-Gesang und einer live gespielten Orgel erschafft LUMINISCENCE eine emotionale Reise durch Zeit, Raum und Spiritualität. Für die Paderborner Fassung wurde von Thomas Berning, Domkapellmeister und Leiter der Dommusik, , ein Gesangsensemble von außergewöhnlichen Stimmen zusammengestellt. An der Orgel spielen unter anderem Domorganist Tobias Aehlig und Anastasiia Yurchenko.
Ab dem 6. November verwandelt sich das Wahrzeichen Paderborns in eine Szenerie aus Licht, Klang und Geschichte. Weitere Informationen und Tickets finden Sie hier.

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