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Sind 30 Tage nicht mehr genug?
Grafik Urlaub ©expediagroup.com
  • 23. Februar 2022

Sind 30 Tage nicht mehr genug?

Von Susanne Dopp | expediagroup.com

Deutsche haben Expedia-Studie zufolge größeren Urlaubsbedarf

Vor mehr als 40 Jahren haben Gewerkschaftsmitglieder erstmals einen tariflichen Urlaubsanspruch von 30 Tagen erstreikt. Mittlerweile sind in vielen Branchen ähnlich viele Urlaubstage üblich. Doch ist das überhaupt noch zeitgemäß? Die Vacation Deprivation-Studie des Online-Reisebüros Expedia, die jährlich die Urlaubsgewohnheiten von Arbeitnehmer:innen abfragt, lässt anderes vermuten. Demnach leiden die Deutschen an erheblichem Urlaubsmangel.

Die Pandemie hat die bisherigen Arbeitsmodelle auf den Prüfstand gestellt. Nachdem viele Unternehmen bereits mit flexiblen Arbeitszeiten oder hybriden Lösungen auf die neuen Bedürfnisse von Arbeitnehmer:innen reagiert haben, könnte sich nun eine weitere Veränderung anbahnen.

Über Jahre hinweg zeigten die Deutschen eine gleichbleibende Verdrossenheit in Bezug auf die ihnen zur Verfügung stehenden Urlaubstage. Doch im vergangenen Pandemiejahr stieg diese sprunghaft an: 79 Prozent der Bundesbürger:innen litten der Expedia-Umfrage zufolge an akutem Urlaubsmangel, obwohl ihnen im Schnitt 27 Urlaubstage zustanden und 81 Prozent ihre Urlaubstage auch vollständig genommen haben.

Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance

Ein Grund für das Verlangen nach mehr Urlaub könnte die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Freizeit sein. „Vielen fällt es schwer, im Urlaub einfach mal komplett abzuschalten“, sagt Expedia-Sprecherin Svetlana Hirth. „Die Grenze zwischen Arbeit und Urlaub ist trotz der viel diskutierten Work-Life-Balance fließend.“ Auch wenn sich mit 87 Prozent eine deutliche Mehrheit Urlaub nimmt, um bewusst Abstand zum Arbeitsalltag zu gewinnen, klappt dies nur in den seltensten Fällen. Bei 35 Prozent wandert der Arbeitslaptop mit ins Urlaubsgepäck, 30 Prozent wählen sich sogar während ihres Urlaubs in Zoom-Calls ein und 28 Prozent hinterlegen in ihrer E-Mail-Abwesenheitsnotiz ihre Handynummer für Notfälle. „Jeder spricht vom wohl verdienten Urlaub, aber kaum jemand gesteht sich selbst eine Pause zu“, fügt Svetlana Hirth hinzu. „Wir sollten uns endlich bewusst machen, wie wichtig Urlaub ist und uns nicht scheuen, diesen auch einzufordern und zu genießen.“

Workation kann echten Urlaub nicht ersetzen

Der neue Workation-Trend scheint langfristig kein Allheilmittel gegen die allgemeine Abgeschlagenheit zu sein, ganz im Gegenteil: Die Umfrageergebnisse suggerieren, dass eine Workation nicht mit einem echten Urlaub vergleichbar ist. Dies bestätigen fast drei Viertel (74%) der Arbeitnehmenden, die 2021 ihren Arbeitsort zeitweise an den Strand oder in die Berge verlegt haben. Rund die Hälfte (49%) gibt an, dass sie sich nach Feierabend nicht von den Arbeitsaufgaben lösen konnte. Noch einmal mehr (59%) fühlten sich nach einer Workation nicht so erholt wie nach einem regulären Urlaub.

„Eine Workation bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag, ist aber kein Ersatz für einen Erholungs- oder Abenteuerurlaub“, weiß Svetlana Hirth aus eigener Erfahrung. „Ich achte darauf, regelmäßig Auszeiten einzuplanen, die es mir erlauben, Abstand zur Arbeit zu gewinnen. Mich bringt zum Beispiel schon ein Städtetrip übers Wochenende auf andere Gedanken.“

Experiment „Urlaub unlimited“

Ist mehr bezahlter Jahresurlaub also die Lösung? Experimente dahingehend gibt es bereits. Was hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, hält in immer mehr Firmen im angelsächsischen Sprachraum Einzug: Arbeitnehmer:innen dürfen so viele Urlaubstage nehmen, wie sie möchten. Laut der Expedia-Umfrage können 14 Prozent der Angestellten in den USA auf unbegrenzte Urlaubstage zurückgreifen. Die wenigsten machen jedoch von diesem Angebot Gebrauch. Nur vier Prozent haben im vergangenen Jahr mehr als 30 Tage Urlaub eingefordert, im Schnitt nehmen sich die US-Amerikaner:innen gerade einmal 13 Tage frei. Ob sich dieses Modell in Deutschland durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Aktuell berichten nur sieben Prozent der Arbeitnehmenden hierzulande von ähnlichen Regelungen.


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