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Finnland zwischen Natur und Smart Cities
Lehmonkärki-Resort in Lahti. Die Region Lahti geht mit gutem Beispiel für den Klimaschutz voran ©Visit Lahti / Visit Finland
  • 20. März 2025

Finnland zwischen Natur und Smart Cities

Von Sputnik GmbH | Lukas Schenk / Lena Hohlstein

Warum den glücklichsten Menschen der Welt Klimaschutz so wichtig ist

Helsinki, 20. März 2025 – Finnland ist laut UN World Happiness Report 2025 zum achten Mal in Folge das glücklichste Land der Welt. Ein zentraler Faktor für die Zufriedenheit der finnischen Bevölkerung ist ihre Naturverbundenheit – und das zahlt auf den Klimaschutz ein. Eine aktuelle Studie der Universität Oldenburg zeigt eine vergleichsweise geringe Klimaschutzbereitschaft der Deutschen auf. Dagegen zeigen Untersuchungen für Finnland, dass rund 70 % der Bevölkerung sogar strengere Umweltvorschriften befürworten. Das Einbeziehen der Bevölkerung in klimapolitische Entscheidungen und die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen sind für Finnland der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende. Deutlich wird das am Beispiel der Stadt Lahti, die noch in diesem Jahr vollständig kohlenstoffneutral werden soll.

„Eine Erklärung für die langfristige Lebenszufriedenheit der finnischen Bevölkerung ist ihre enge Naturverbundenheit: Zahlreiche Studien belegen den Zusammenhang zwischen Naturkontakt und menschlicher Gesundheit sowie Wohlbefinden. Wir konnten nun auch ein Bewusstsein dieser positiven Auswirkungen im Alltag feststellen“, sagt Riikka Puhakka, FEI-Expertin an der LAB University of Applied Sciences und Dozentin Ecosystems and Environment Research Programme an der Universität Helsinki. Gemeinsam mit Eemeli Hakoköngäs, Universitätsdozent an der Universität Helsinki, führte Puhakka eine nicht-repräsentative Untersuchung der Naturwahrnehmung finnischer Jugendlicher aus der Stadt Lahti durch. Darin stellen sie eine überwiegend positive Assoziation der Teilnehmenden mit der Natur fest: „Die Mehrheit gab an, dass die Natur sie glücklich macht.“

Die Naturverbundenheit ist in der nationalen Identität fest verankert: Laut dem aktuellen Naturbarometer mehrerer finnischer Ministerien sind 97 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die Natur die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen verbessert. In Verbindung mit dem hohen Vertrauen in öffentliche Behörden sei das laut Puhakka eine mögliche Erklärung für die hohe Offenheit gegenüber der Klimapolitik – insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern. Der Bezug zur Natur spielt in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, sagt Mika Saarenpää, Postdoktorand im Ecosystems and Environment Research Programme an der Universität Helsinki: „Nehmen wir zum Beispiel die 30+30+300-Regel, die in der finnischen Stadtplanung zunehmend populärer wird. Jede Wohnung sollte mindestens drei Bäume in Sichtweite haben, jedes Stadtviertel zu 30 Prozent mit Baumkronen bedeckt sein und die Entfernung zur nächsten Grünfläche maximal 300 Meter betragen.“

Nachhaltige Städte, glückliche Menschen

Etwa 70 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sowie 80 Prozent des Energieverbrauchs treten in Städten auf. Zahlreiche finnische Städte setzen daher auf die Entwicklung sektorübergreifender Lösungen und Angebote zur Emissionsreduktion – etwa die Stadt Lahti, die bereits 2025 die Klimaneutralität anstrebt. Damit ist die rund 100 Kilometer nördlich von Helsinki gelegene Stadt den nationalen Zielen Finnlands um zehn Jahre voraus.

Die 2021 von einer Initiative der EU-Kommission als „European Green Capital“ gekürte Stadt konnte ihre Emissionen seit 1990 bereits um 64 Prozent reduzieren. Mit Projekten wie einem persönlichen Emissionsbudget, das die Bürgerinnen und Bürger über eine App im Blick behalten und bei Unterschreiten in Preisnachlässe für Bustickets oder Fahrräder umwandeln können, bezieht Lahti die Bevölkerung aktiv in den Klimaschutz ein. Zudem werden in der Stadt mehr als 99 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt und davon wiederum zwei Drittel zur Energieerzeugung genutzt. Das macht Lahti nicht nur zu einem positiven Beispiel für die Bevölkerungspartizipation, sondern auch für die Kreislaufwirtschaft in Finnland.

Gemeinsam stärker: Unternehmen als Klimapartner

In Lahti zeigt das Kujala Abfallwirtschaftszentrum exemplarisch, wie finnische Kooperationsmodelle funktionieren. Als innovatives Ökosystem bringt es Unternehmen zusammen, die Nebenprodukte anderer Betriebe als Ressourcen nutzen und dabei kontinuierlich Wissen und Erfahrungen austauschen.

Dieser Kooperationsgedanke wird im regionalen „Nature Step to Health Programme“ auf eine breitere Basis gestellt: Hier arbeiten Behörden, Hochschulen, Forschungsinstitute, lokale Gemeinschaften und Unternehmen gemeinsam an Lösungen, die gleichzeitig Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung fördern und ökologischen Mehrwert schaffen.

Mit der Entwicklung innovativer Lösungen leisten finnische Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu den erfolgreichen Klimaschutzambitionen des Landes. Alun Jones, Director DACH bei Business Finland, sagt: „Finnland verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele nicht im Widerspruch, sondern in synergetischer Verbindung stehen. Dies zahlt auch auf das Wohlbefinden der finnischen Bevölkerung und ihr Engagement im Klimaschutz ein.“ Nachdem Finnland mehr Emissionen reduzierte als erwartet, zeigt das Naturbarometer, dass die Mehrheit der Bevölkerung den Export sauberer Technologielösungen befürwortet. Während Deutschland über den Kohleausstieg und die Flächennutzungspolitik für saubere Energie debattiert, zeigt Finnland, wie Umweltschutz, wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliches Wohlbefinden harmonisch ineinandergreifen können. 




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