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Konventionalität statt Progressivität: Früher war eben auch in der Landwirtschaft Vieles besser!
Dennis Riehle - Jurnalist | Autor | Publizist
  • 19. März 2024

Konventionalität statt Progressivität: Früher war eben auch in der Landwirtschaft Vieles besser!

Von Dennis Riehle | Konstanz

Die ökologische Wende der Ampel macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Dabei sind viele Maßnahmen von einer Doppelmoral geprägt, kommentiert der Politik- und Kommunikationsberater Dennis Riehle (Konstanz) wie folgt:

Nicht nur in der Landwirtschaftspolitik sind wir mittlerweile mit dem Narrativ des Guten und Bösen konfrontiert. Bewährtes und Konventionelles gilt als rückschrittig und schädlich, während das Innovative und Moderne für Fortschritt und Integrität steht. Dabei sind es doch oftmals die über Jahrhunderte gesammelten Erfahrungen, Traditionen und das Wissen um Zyklen, Gepflogenheiten und Funktionalitäten, welche uns nicht nur Stabilität und Verlässlichkeit im Hinblick auf Ertrag bringen, sondern auch eine Agrarkultur garantieren, die authentisch und gleichsam erprobt ist.

Das zwanghafte Niederreißen von diesen Gewohnheiten ist ein typisches Wesensmerkmal des aktuellen Zeitgeistes, welcher im Hass auf das Konservative auf Teufel komm raus um eine übereilte, reflexartige und nicht selten wenig sinnreiche Transformation bemüht ist. Weder biologisch, noch ökonomisch ergibt sich aus diesem Vorgehen aber eine plausible Nachvollziehbarkeit. Stattdessen gehen wir denen auf den Leim, die uns in der Überzeugung wiegen wollen, dass eine Abkehr von Geübtem auch eine moralische Verpflichtung sei.

Es braucht aber nicht einmal einen Blick auf die Wüsten aus Solarpanelen in diesem Land, auf die Windräder in den Wäldern und die LNG-Leitungen im Wattenmeer, um zu begreifen, dass das Erneuerbare nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist, sondern viel eher ein Trojanisches Pferd, eine grün angemalte Verschandelung der Landschaft, ein kaschiertes Eingreifen in die Artenvielfalt und ein doppelmoralischer Trugschluss gegenüber Flora, Fauna und Habitat.

Jedwedes Verfahren der Bewirtschaftung hat zwei Seiten der Medaille. Da genügt es eben nicht, vermeintliche Vorteile herauszustellen, welche sich bei einem genaueren Blick auch als eine Lüge gegenüber uns selbst entpuppen. Immerhin fragt man sich durchaus, welchen gesundheitlichen Mehrwert es haben soll, wenn wir uns künftig vornehmlich mit künstlichen Eiweißprodukten ernähren, weil die Überregulierung unserer Bauern und die Suggestion eines negativen Fußabdrucks ihrer Kühe durch deren Methanausstoß dazu genötigt haben, die Viehhaltung gänzlich einzustellen.

In einer sich schöngeredeten Welt der Sterilität und Unangetastetheit mag es sich zwar gutmenschlich wohlig und warm anfühlen. Doch nicht einmal dem biblischen Zugeständnis gegenüber uns Menschen, uns die Erde untertan zu machen, werden wir mit einer derartigen Philosophie der Kasteiung und des Verzichts gerecht. Wir sollen die Natur zwar hegen und pflegen, aber es scheint nicht angedacht gewesen zu sein, die Ressourcen bis zur Apokalypse im Boden zu belassen.

Natürlich braucht es einen umsichtigen und verhältnismäßigen Umgang mit all dem, was uns zur Verfügung steht. Und nichts Anderes gilt für die Arbeiter auf dem Feld. Aber wir sind Heuchler, wenn wir ihnen mit Vorurteilen generalisierend und pauschal unterstellen, dass sie mit Ihrem Gebot der Rentabilität gegen ethische Namen und Werte verstoßen würden. Denn kann es tatsächlich vernünftiger und rationaler sein, wenn wir auf allen Einsatz von chemischen Düngern verzichten, im Gegenzug langsam aber sicher unter Lebensmittelknappheit leiden, weil man mit den biologischen Alternativen allein nicht gegen die Widrigkeiten der Evolution ankommt?

Und sind brachliegende Äcker tatsächlich erstrebenswerter als eine umsichtig und verantwortungsvolle Nutzung von Flächen unter Berücksichtigung von Prinzipien der Fruchtfolge? Wollen wir nicht nur einer ganzen Berufsgruppe immer neue Fallstricke bauen und Erschwernisse auferlegen, weil wir es uns mit einem ach so korrekten und selbstbeweihräuchernden Gewissen in einer Utopie der falsch verstandenen Unberührtheit allen Seins und des Schutzes aller Strukturen gemütlich machen können? Und uns damit erleichterter fühlen als in der eigentlich so unkomplizierten Anerkennung der Tatsache, dass schon allein in der wachen und unverblendeten Vergegenwärtigung der Unpraktikabilität und des wiederkehrenden Kollaps von gelenkten und gesteuerten Lebenswelten neue sozialistisch anmutende Vorhaben nicht nur Gift für die Pflänzchen auf unseren Weiden wären?

Vielmehr wären sie auch ein Genickbruch für ein funktionierendes und selbstregulierendes Gleichgewicht der unterschiedlichen Kräfte und Interessen des Ökosystems. Nur um des Ansinnens von Ideologisten willen einen brachialen Wandel zu erzwingen und uns als Spezies abzunötigen, nicht mehr dem Urinstinkt des Jägers und Sammlers nachzugehen, sondern uns lieber zum Seitanweizen-Züchter und Tofubohnenquark-Rührer fortzuentwickeln, dürfte weder dem Geist einer sozialisierten Zivilisation entsprechen, noch den irrwitzigen und naiven Glauben an die Möglichkeit der Wiederherstellung eines unbefleckten Garten Edens in irgendeiner Art und Weise relativieren.




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