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LNG/Rügen – Gutachten: Hafenausbauplan für LNG-Terminal erheblich mängelbehaftet
Gashahn ©Gerald Kaufmann
  • 08. August 2023

LNG/Rügen – Gutachten: Hafenausbauplan für LNG-Terminal erheblich mängelbehaftet

Von Dr. Maximilian Flügge | Haus der Bundespressekonferenz

Ein Gutachten zum geplanten Ausbau des Hafen Mukran auf Rügen für das LNG-Terminal der Deutschen Regas weist signifikante Fehlannahmen und Mängel auf. Das Gutachten wurde von Prof. Dr.-Ing. Bärbel Koppe, AQUADOT Ingenieurgesellschaft Hamburg, im Auftrag der Gemeinde Ostseebad Binz erstellt. Frau Prof. Dr.-Ing. Bärbel Koppe lehrt Bauingenieurwesen (Berufungsgebiet: Wasserbau und Hydromechanik) an der Hochschule Wismar.

Frau Prof. Dr.-Ing. Bärbel Koppe: „Die eingereichten Antragsunterlagen des Vorhabenträgers, der Fährhafen Sassnitz GmbH, weisen hinsichtlich sicherheitstechnischer, hafentechnischer und hafenbetrieblicher Belange erhebliche und auch durch Planüberarbeitung nicht heilbare Mängel auf. Dies betrifft im Wesentlichen:

1. Die eingereichten Antragsunterlagen beziehen sich zu großen Teilen nicht auf die aktuell beantragte Planung, sondern auf die Ausbauplanung des Liegeplatzes im Hafen Mukran in den Jahren 2019/2020. Eine konkrete Aussagekraft dieser Unterlagen für die aktuell geplante Baumaßnahme liegt nicht vor.

2. Die Standsicherheit des Bestandsbauwerks am Liegeplatz ist nicht gewährleistet. Die anzusetzende Berechnungshafensohle ist in der aktuellen Planung einen Meter niedriger als gemäß des Standsicherheitsnachweises des Bauwerks zulässig. Somit droht bei einem entsprechenden Ausbau des Hafens ein Versagen des Uferbauwerks.

3. Die angegebenen 52 Ankünfte von LNG-Tankern pro Jahr korrespondieren nicht mit den vom geplanten Betreiber des LNG-Terminals Deutsche Regas angesetzten 73 bis 91 Ankünften pro Jahr und den gemäß der geplanten LNG-Umschlagvolumina abgeschätzten 126 bis 192 Ankünften pro Jahr. Relevant sind die zu erwartenden Schiffsankünfte insbesondere für den Hafenbetrieb und für die Abschätzung der zu erwartenden Reedezeiten im Seegebiet vor Rügen.

4. Die störfallrechtlich relevanten Abstandsmessungen zu Schutzgütern und Betrieben sind in den Antragsunterlagen fehlerhaft ermittelt worden. Bei korrekter Ermittlung der Mindestabstände müsste bei Realisierung der Planungen der gesamte Hafenbetrieb – abgesehen vom LNG-Umschlag – eingestellt werden.

5. Die nautischen Untersuchungen mittels Schiffssimulator basieren überwiegend auf der nicht korrekten Annahme nur eines stationierten Tanklagerschiffs mit Regasifizierungsanlage (FSRU). Tatsächlich sollen am LNG-Terminal im Hafen Mukran zwei FSRUs stationiert werden, womit sich der Navigationsraum im Hafen zusätzlich einschränkt. Selbst die unter den unrealistisch günstigen Platzbedingungen durchgeführten Simulationsläufe zeigen, dass maßgebende Manöver wie das An- und Ablegen von LNG-Tankern und die Notevakuierung eines FSRU nicht sicher durchführbar sind.“

Karsten Schneider, Bürgermeister der Gemeinde Ostseebad Binz:

„Das Gutachten stellt klar, dass der Standort auf Rügen und die Planungen gänzlich ungeeignet für den Bau und Betrieb des LNG-Terminals sind. Es offenbart aber auch, dass alle Beteiligten des Antrags anscheinend nicht die notwendigen Fachkenntnisse für den Bau und den Betrieb des LNG-Terminals besitzen. Ich erwarte nicht nur, dass die Landesregierung diesen ungenügenden Antrag ablehnt, sondern dem LNG-Terminal-Spuk endlich ein deutliches Ende setzt.“

Die Zusammenfassung des Gutachtens (PDF) können Sie hier herunterladen: https://we.tl/t-3yjdaw1B7A


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