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Vor einer Wirbelsäulen-Operation: Mit der Zweitmeinung auf Nummer Sicher gehen
Professor Dr. Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg im Asklepios Klinikum Bad Abbach. Foto: obx-medizindirekt/Asklepios Klinikum Bad Abbach
  • 28. Oktober 2021

Vor einer Wirbelsäulen-Operation: Mit der Zweitmeinung auf Nummer Sicher gehen

Von obx-medizindirekt

Bad Abbach - Eine neue gesetzliche Regelung gibt Patienten seit September 2021 das Recht, sich vor einer Wirbelsäulen-Operationen kostenfrei eine ärztliche Zweitmeinung über die Notwendigkeit des geplanten chirurgischen Eingriffs einzuholen. "Damit können viele überflüssige Operationen am Rücken vermieden werden", sagt Professor Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am Asklepios Klinikum Bad Abbach.

Während der Pandemie sind die Zahlen der Wirbelsäulen-Operationen zurückgegangen. Krankenkassenanalysen haben gezeigt, dass es danach keinen Nachholeffekt gab. Das bedeutet, dass einige Tausend Wirbelsäulen-Operationen während der Pandemie nicht durchgeführt wurden und auch danach nicht nachgeholt wurden. Um die Indikation zur Operation überprüfen zu lassen, wurde nun die Beratung zur Zweitmeinung bei Wirbelsäulen-Eingriffen gesetzlich verankert.

"Operationen am Rücken und an den Gelenken sind nur dann gerechtfertigt, wenn alle anderen erfolgversprechenden Therapiemaßnahmen ausgeschöpft sind", so Professor Grifka, der laut Magazin Focus zu den führenden Orthopäden in Deutschland zählt. 2020 wurde die von ihm geleitete Orthopädie von dem Magazin "Newsweek" in dem Ranking "World"s Best Hospitals" bei den 100 besten Fachkliniken weltweit eingestuft.

Eine neue gesetzliche Regelung gibt Patienten seit September 2021 das Recht, sich vor einer Wirbelsäulen-Operation kostenfrei eine ärztliche Zweitmeinung über die Notwendigkeit des geplanten chirurgischen Eingriffs einzuholen. ©Fotolia

Ein Grund für die wachsende Zahl vorschneller Operationen sind nach Meinung Professor Grifkas neben anderem auch die immer besseren Diagnosetechniken. Seine Kritik: "Auch wenn sich bei Aufnahmen im Kernspintomographen ein Bandscheibenvorfall zeigt, ist das kein Grund zur Operation. Wir operieren ja keine Röntgenbilder. Es kommt darauf an, ob Veränderungen überhaupt relevant für die Beschwerdesymptomatik sind. Außerdem können Rückenbeschwerden oft erfolgreich konservativ behandelt werden."

Im Bad Abbacher Klinikum gibt es deshalb eine "Akut-Sprechstunde" für Patienten, die sich vor einer anstehenden Operation im Rücken- oder Gelenkbereich nochmals Expertenrat einholen wollen. Dort können sich Betroffene vor geplanten chirurgischen Eingriffen neutral über deren Notwendigkeit und Therapie-Alternativen beraten lassen.

Ratsuchende genießen dabei im Klinikum Bad Abbach einen besonderen Service. Vergleichbar mit Notfällen erhalten Patienten im Fall einer bereits kurzfristig anstehenden Operation einen vorgezogenen Termin für eine Zweitmeinungsdiagnose. "Die Zweitmeinungssprechstunde haben wir seit 2015 zur zusätzlichen Beratung", sagt Professor Grifka. Er rät Patienten: "Niemals zu einer Operation drängen oder unter Zeitdruck setzen lassen, wenn es um einen chirurgischen Wahleingriff an Gelenken oder am Rücken geht".

Als Alternative zu Operationen haben die Ärzte in der Orthopädischen Universitätsklinik Bad Abbach für Patienten mit Rückenproblemen ein ganz spezielles Behandlungssystem entwickelt, mit dem zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen oder degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule nahezu 80 Prozent der Betroffenen ohne Operation wirkungsvoll geholfen werden kann. Hilfe bei Rückenproblemen und zum Schutz des Rückens im Alltag gibt auch ein von Professor Grifka verfasster Patientenratgeber. "Bei Muskelschwächen und Lähmungen muss immer eine ärztliche Abklärung stattfinden. Aber bei den meisten Rückenbeschwerden können Betroffene vieles selbst tun, um den Beschwerden zu begegnen", so der Orthopäde.


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