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Biotech- und Pharmaunternehmen unzufrieden mit Standortfaktoren
Chemie ©Gerald Kaufmann
  • 03. September 2021

Biotech- und Pharmaunternehmen unzufrieden mit Standortfaktoren

Von Dr. Christian Jekat | DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.

Bürokratische Hemmnisse und die noch nicht hinreichende Digitalisierung machen der Pharmabranche schwer zu schaffen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) unter 58 Biotech- und Pharmafirmen.

Weniger als zwölf Monate von der Virusanalyse bis zur Impfstoffzulassung – was in der Corona-Krise möglich wurde, entspricht für Biotech- und Pharmaunternehmen in Deutschland üblicherweise leider nicht der unternehmerischen Realität. Das geht aus der DIHK-vfa-Umfrage deutlich hervor.

Medizinisch und wirtschaftlich systemrelevante Branche

"Die Corona-Krise hat gezeigt, dass eine leistungsfähige pharmazeutische Forschung und Industrie auch in wirtschaftlicher Hinsicht systemrelevant ist", betont der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Den Zahlen zufolge bilden langwierige und bürokratische Prozesse für Pharmaunternehmen das Schlusslicht bei den Standortfaktoren – mit einer Durchschnittsnote von 4,7 im internationalen Vergleich. Folglich ist es für 56 Prozent der Betriebe äußerst wichtig, dass etwa klinische Studien schneller umgesetzt und Produktionsstätten schneller aufgebaut werden können.

Vfa-Präsident Han Steutel bedauert: "Komplizierte Verfahren durch die Vielzahl der Akteure sind leider ein Charakteristikum in Deutschland. Insbesondere, wenn es um das Thema Gesundheit geht. In der Notsituation der Pandemie haben ohne Zweifel alle gut zusammengearbeitet. Das war internationale Spitzenklasse! Aber im Normalbetrieb genügt es leider nicht mehr für einen Platz ganz vorne im globalen Wettbewerb."

Insgesamt 50 Prozent der Umfrageteilnehmer drängen auf bundeseinheitliche Datenschutzvorgaben, um beispielsweise länderübergreifende Studien schneller zu realisieren. "Pharmafirmen sollten ihre Ressourcen dort einsetzen können, wo es wirtschaftlich am sinnvollsten ist", plädiert Dercks.

Daten und Infrastruktur Voraussetzung für Innovationen

Für 56 Prozent der Betriebe ist zudem besonders wichtig, einen leichteren und datenschutzkonformen Zugang zu Gesundheitsdaten zu erhalten. "Unternehmen benötigen Daten, um Innovationen entwickeln zu können", so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Grundvoraussetzung, um die Potenziale der Digitalisierung überhaupt ausschöpfen zu können, ist eine leistungsfähige und vernetze digitale Infrastruktur. Hier sehen die Biotech- und Pharmafirmen noch deutlich Luft nach oben – mit einer Durchschnittsnote von 4,1.

Für 46 Prozent der Betriebe ist es daher auch besonders wichtig, dass die digitale Vernetzung weiter vorangebracht wird. Sie ist zum Beispiel wichtig, um Studien über verschiedene Standorte hinweg zu realisieren. Dabei sind auch einheitliche technische Systeme notwendig.

Handlungsbedarf auch bei Finanzierung und Erstattungsmarkt

Etwas besser bewerten die Unternehmen dagegen Förderungsinstrumente und Finanzierungsmöglichkeiten sowie Erstattungsregeln von Arzneimitteln. Dennoch sehen die Betriebe auch hier Handlungsbedarf: Bessere Wagnis- und Beteiligungsfinanzierungen haben für 37 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe hohe Priorität. Viele Pharmafirmen wünschen sich neue Vergütungsmodelle, die etwa effizienter an den individuellen Therapieerfolg gekoppelt sind.

Von zentraler Bedeutung ist für Biotech- und Pharmafirmen zudem der Patentschutz. Für 80 Prozent dieser Unternehmen ist dies wichtig oder äußerst wichtig, damit sich hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für Innovationen wirtschaftlich auszahlen. Das betont auch Steutel vom vfa.

Unzureichende Standortbedingungen in Eigeninitiative kompensiert

Relativ zufrieden sind die Unternehmen mit der Fachkräftesituation, dem Netzwerk an Zulieferern und Dienstleistern vor Ort sowie der Forschungsinfrastruktur und Forschungsvernetzung.

Teils unzureichende Standortbedingungen haben forschende und produzierende Pharmafirmen in der Corona-Krise kompensiert, indem sie eigene Weichenstellungen vorgenommen haben: 84 Prozent haben Digitalisierungsprozesse in ihren Unternehmen vorangebracht, 52 Prozent neue Produkte und Verfahren entwickelt und 34 Prozent die Lieferketten umgestellt.


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