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  • 11. September 2023

„Motor für Branche und Bauwende“

Von Klaus Jongebloed | DBU

Deutscher Umweltpreis für Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer

Osnabrück. Motor der Baubranche, Ökopionier, Vorreiter bei der Bauwende: Der mittelständische Allgäuer Familienbetrieb Bau-Fritz GmbH & Co. KG in Erkheim, kurz Baufritz, macht seit Jahrzehnten vor, wie Klima- und Umweltschutz durch Fertigholzbau bei Häusern, Wohnungen und Sanierungen gelingt. Für diese herausragende Leistung erhält Baufritz-Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer (52) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Auszeichnung in Höhe von 500.000 Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltpreisen Europas. Fritz-Kramer teilt sich den Betrag mit Klimawissenschaftlerin Prof. Dr. Friederike Otto. Beiden wird der Preis am 29. Oktober in Lübeck von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

„Vorzügliche Pionierarbeit“ durch energieeffizientes und ökologisches Bauen

„Diplom-Ingenieurin Fritz-Kramer leistet mit ihrem Betrieb vorzügliche Pionierarbeit“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Sie und ihre Mitarbeitenden sind echter Motor für Branche und Bauwende. Diesen überragenden Beitrag zum energieeffizienten und ökologischen Bauen würdigt die DBU mit dem Deutschen Umweltpreis.“ Denn der Betrieb setze sowohl beim Neubau als auch bei Sanierungen und Aufstockungen von Gebäuden zentral auf den Baustoff Holz. „Ein exzellenter Klimaschützer, weil Holz große Mengen an Kohlenstoff speichert und so die Bildung von klimaschädlichem Kohlendioxid verhindert. Das ist fast so, als ob man einen zweiten Wald aus Häusern baut“, so Bonde. Das sei „genau die richtige Strategie, damit der Gebäudesektor klimaneutral wird, um so die internationalen Klimaziele zu erreichen“. Baufritz-Geschäftsführerin Fritz-Kramer nennt die bevorstehende Auszeichnung in einer ersten Reaktion „wertvoll für ein wichtiges Thema. Denn die Bauwende bedeutet große Herausforderungen, bietet aber auch viele Möglichkeiten für mehr Klimaschutz.“

Gebäudesektor verursacht fast 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland

Das Potenzial ist tatsächlich beachtlich: Laut Gebäudereport 2023 der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz gibt es derzeit in Deutschland rund 21,4 Millionen Gebäude, darunter ungefähr zwei Millionen sogenannte Nichtwohngebäude. Allesamt verursachen diese Immobilien hierzulande etwa 40 Prozent der laut Umweltbundesamt-Statistik des Jahres 2022 bundesweit rund 746 Millionen Tonnen Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen (THG). Hauptursache für den hohen Anteil des Gebäudesektors ist der immense Altbestand hierzulande: Nahezu zwei Drittel der Gebäude wurden vor 1977 errichtet – also bevor eine Wärmeschutzverordnung die Dämmung von Dächern, Decken und Wänden vorschrieb. „Wir müssen Tempo machen bei der Sanierung“, so Bonde. Die Herausforderung: Die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral sein, Deutschland schon bis 2045 – also ohne Ausstoß klimaschädlicher THG wie Kohlendioxid (CO2), der nicht anderweitig gebunden werden kann. Bonde: „Das schließt natürlich den Gebäudesektor ein, der aber gerade deshalb ein Riesenhebel für das Erreichen der Energiewende ist. Ein Schlüsselfaktor ist dabei die Holzbauweise.“ Laut einer Studie der Ruhr Universität Bochum eröffnen sich bereits bis 2030 Chancen, wenn man konsequent auf Holz als Baustoff setzt: Demnach könnten auf diese Weise allein in Deutschland binnen der nächsten sieben Jahre 42 Millionen Tonnen THG eingespart werden.

Urgroßvater Sylvester Fritz startete als klassische Landzimmerei

Die Bau-Fritz GmbH & Co.KG will dazu seit vielen Jahrzehnten beitragen. Der Familienbetrieb existiert mittlerweile in vierter Generation. Alles nahm seinen Anfang 1896 mit Urgroßvater Sylvester Fritz, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. „Wir sind aus einer klassischen Landzimmerei entstanden. Einige Dachstühle von damals gibt es heute noch in Erkheim“, sagt Dagmar Fritz-Kramer. Sie absolvierte zunächst eine Lehre als Schauwerbegestalterin, holte das Abitur nach, um schließlich in den Fachrichtungen Innenarchitektur sowie Wirtschaftsingenieurwesen jeweils ihr Diplom zu erlangen. Seit 2004 ist die zweifache Mutter geschäftsführende Gesellschafterin im Familienbetrieb, wo rund 500 Mitarbeitende in 15 Abteilungen tätig sind, darunter – für eine mittelständische Firma bemerkenswert – auch der Bereich Forschung und Entwicklung. Diese Strategie hat sich ausgezahlt: Der Betrieb hält mehr als 40 Patente und Schutzrechte.

Grandioser Gedanke: Dämmung aus Spänen, Soda und Molke

Das Fundament für die Firmenentwicklung legten Großvater Johann und Vater Hubert. Opa Johann kam auf die seinerzeit revolutionäre Idee, (Holz-)Bauteile in externen Hallen vorzufertigen – statt wie zuvor üblich direkt auf der Baustelle. Dieses Verfahren hat der Familienbetrieb im Lauf der Jahrzehnte perfektioniert. Vater Hubert schließlich hatte – ganz im Sinn von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Baubiologie – den grandiosen Gedanken, mit sowieso bei den Säge- und Hobelwerken anfallenden Holzspänen energieeffiziente und gesundheitlich unbedenkliche Dämmung zu kreieren. Jahrelang blieb er hartnäckig, experimentierte, tüftelte – und landete letztlich bei der Kombination mit Soda und Molke, um neue Vorgaben für Ungeziefer- und Brandschutz zu erfüllen. Die Patentierung folgte prompt, die Methode wurde Markenzeichen der Allgäuer – ebenso wie ein spezielles Holz-Stecksystem und als neue Innovation ein „Energie-Wändemodul“. Es sei „das Technik-Herz eines Hauses, alles in einem Raum“ – von Schaltschrank und Stromspeicher über Lüftungsanlage und Trinkwasserverteilung bis hin zu Wärmeerzeuger und Waschmaschine, so Dagmar Fritz-Kramer.

„Sand so rar, dass er aus dem Meer gesogen werden muss“

Die designierte DBU-Umweltpreisträgerin ist überzeugt, „dass die Bau- und Wärmewende in den nächsten zehn Jahren gelingt“, sieht dazu aber auch die Industrie in der Pflicht. „Noch verursacht die Baubranche fast zwei Drittel des Müllbergs in Deutschland. Da müssen wir ran“, so Fritz-Kramer. Neben Sanierung seien Recycling und Ressourcenschonung essentiell. „Sand ist mittlerweile so rar, dass es aus dem Meer gesogen werden muss“, sagt die Geschäftsführerin. Ihr Betrieb Baufritz verarbeitet in Zusammenarbeit mit Säge- und Hobelwerken im 120-Kilometer-Radius nach eigenen Angaben pro Jahr vor allem „heimisches Fichtenholz vor der Haustür“ – aus nahezu 11.900 Kubikmetern entstehen etwa 143.000 Quadratmeter Fläche von Wänden über Dächer bis hin zu Decken. Fritz-Kramer: „Im Durchschnitt bedeutet jedes Baufritz-Gebäude eine CO2-Ersparnis von rund 50 Tonnen. Das sind pro Jahr insgesamt etwa 12.000 Tonnen Kohlendioxid.“




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