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HEM-Studie 65 Prozent der deutschen Autofahrer fühlen sich unzureichend auf Wildunfälle vorbereitet ©Deutsche Tamoil
  • 29. September 2022

65 Prozent der deutschen Autofahrer fühlen sich unzureichend auf Wildunfälle vorbereitet

Von Laura Karsten | P.U.N.K.T. Gesellschaft für Public Relations mbH

Fehlende Prävention trotz steigendem Risiko

Hamburg – Der eintretende Herbst birgt Gefahren auf den deutschen Straßen. Denn nicht nur das feuchte Wetter und die herabfallenden Blätter verursachen rutschige Straßen, auch das Risiko der Wildunfälle steigt. „Durch das frühere Eintreten der Dunkelheit müssen sich Autofahrer ab Oktober bereits ab dem späten Nachmittag verstärkt auf Wildwechsel einstellen“, erklärt Jan Meyer-Hamme von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. „Auch die Zeitumstellung verschärft die Situation zunehmend, da Tiere ihre Gewohnheiten natürlich nicht ändern.“ Doch fühlen sich die Deutschen nicht genügend auf potenzielle Wildunfälle vorbereitet, wie eine repräsentative Studie[1] der Tankstellenkette HEM kürzlich ergab.

Die Mehrheit der Teilnehmenden (65 Prozent) findet die hinweisenden Straßenschilder unzureichend und wünscht sich eine bessere Vorbereitung. Nur ein Viertel der Befragten ist der Meinung, in der Fahrschule gut vorbereitet worden zu sein. 72 Prozent der Deutschen verspüren beim Autofahren in der Dunkelheit sogar Angst, auf Landstraßen mit einem Wildtier zu kollidieren, und fahren daher besonders vorausschauend und langsamer. Nur wenige (15 Prozent) sind sich wohl der Gefahr bewusst, ändern ihr Fahrverhalten aber trotzdem nicht. Geringe fünf Prozent schätzen sich hingegen als so sicher hinter dem Lenkrad ein, dass sie mit jeder Wild-Situation zurechtkommen würden.

Studie Tamoil
HEM-Studie_65 Prozent der deutschen Autofahrer fühlen sich
unzureichend auf Wildunfälle vorbereitet ©Deutsche Tamoil

Zwar hatte die Mehrheit der Deutschen (76 Prozent) glücklicherweise noch nie einen Wildunfall, jedoch bedeutet dies im Umkehrschluss, dass es für knapp jeden vierten Autofahrer bereits einmal zu einer Kollision mit einem Tier kam. Dabei handelte es sich laut der HEM-Studie hauptsächlich (64 Prozent) um größeres Wild wie Rehe oder Wildschweine. Gefolgt von Kleintieren wie Igel oder Hase (19 Prozent), kommen Vögel (7 Prozent) und Haustiere wie Katze oder Hund (9 Prozent) verhältnismäßig selten unter die Räder.

Pressefoto Jan Meyer Hamme

Anhalten oder nicht? So reagiert man richtig

Sollte es doch zu einem Wildtierunfall kommen, stellt sich die Frage, ab welcher Größe des Tieres angehalten werden muss. Genau die Hälfte der Befragten würde bei jedem Tier anhalten, entweder weil sie sich in der Pflicht fühlen (27 Prozent), oder aus Respekt vor dem Tier (23 Prozent). Über ein Drittel (35 Prozent) hingegen ist der Meinung, dass bei kleineren Tieren und Vögeln nicht angehalten werden muss, und weitere 15 Prozent würden nur bei größeren Wildtieren anhalten. Ein Prozent der Befragten gibt sogar ehrlich zu, bei keiner Art von Tier anzuhalten. Und tatsächlich besteht bei kleineren Tieren wie Igel, Eichhörnchen oder Vogel keine Meldepflicht und auch das Anhalten ist nicht gestattet, wenn man sich selbst oder andere Verkehrsteilnehmer dadurch gefährdet oder behindert.

Doch welche Schritte sollten nach einem Wildunfall auf jeden Fall beachtet werden? Die große Mehrheit der Befragten (97 Prozent) würde die Polizei oder den Förster bzw. den zuständigen Jäger verständigen und die Unfallstelle mit einem Warndreieck absichern (93 Prozent). „An erster Stelle ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Also die Warnblinkanlage einzuschalten, die Warnweste anzuziehen und die Unfallstelle abzusichern“, so Jan Meyer-Hamme weiter. „In jedem Fall muss die Polizei informiert werden, die sich unverzüglich mit dem örtlichen Jäger in Verbindung setzen wird. Sollte der örtliche Jäger bekannt sein, kann dieser auch direkt benachrichtigt werden, um eine Wildunfallbescheinigung auszustellen, das Tier zu erlösen oder nachzusuchen.“ Die Meldung eines Wildunfalls ist immer wichtig, besonders wenn das Tier wieder in den Wald oder das Feld geflüchtet ist. Tatsächlich würde jeder Fünfte (22 Prozent) das angefahrene Tier von der Fahrbahn holen, um den Verkehr nicht zu behindern. Jeder Zehnte würde schauen, ob das Tier noch lebt und es notfalls sogar von seinem Leid erlösen. Doch auch hier gibt es ganz klare Vorschriften, um Mensch und Tier zu schützen. „Sollte das Wildtier verletzt und lebendig sein, darf man es auf keinen Fall anfassen, da es sich wehren könnte“, erklärt der Experte. „Autofahrer müssen unbedingt beachten, dass das angefahrene Wild nicht vom Unfallort entfernt wird, denn das kann zu einer Anzeige wegen Wilderei führen.“

Die Haftungsfrage bei Wildunfällen

Immer wieder kommt es vor, dass sich doch ein Kleintier, wie beispielsweise ein Eichhörnchen, auf die Straße verirrt, vor ein fahrendes Auto läuft und durch eine Vollbremsung einen Auffahrunfall verursacht. Doch wer haftet in diesem Fall? 39 Prozent der Befragten sähen die Schuld bei dem bremsenden Autofahrer. „Tatsächlich ist dieser Sachverhalt nicht ganz eindeutig und muss jeweils individuell verhandelt werden, da die Größe des Tieres, die Art der Straße und das Fahrverhalten beider Beteiligten berücksichtigt werden müsste“, erläutert Jan Meyer-Hamme. „Experten jedoch raten dazu, das Lenkrad festzuhalten und dem Ausweichreflex zu wiederstehen.“ Dennoch gab über die Hälfte der Studien-Teilnehmenden an, dass sie wahrscheinlich trotzdem aus Reflex ruckartig in die Eisen steigen würden, wenn ihnen ein Tier vor das Auto läuft. „Insbesondere bei großen Tieren steigt natürlich auch die Gefahr, dass sich die Insassen im Falle eines ungebremsten Zusammenstoßes verletzen,“ erläutert der Förster abschließend. „Deshalb ist es ratsam, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht sowie bei Nebel genügend Abstand zum vorausfahrenden Auto zu halten und die Geschwindigkeit zu reduzieren, um auf mögliche Wildwechsel-Situationen schnell reagieren zu können.“

 


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