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VIER PFOTEN deckt Vermehrerstation in Brandenburg auf
Nicht artgerechte Hundeaufzucht ©VIER PFOTEN
  • 18. November 2021

VIER PFOTEN deckt Vermehrerstation in Brandenburg auf

Von Corinna Madjitov VIER PFOTEN

Welpen wurden seit Jahren über Online-Plattform angeboten

Hamburg/Brandenburg – In einem Ort in Brandenburg hat VIER PFOTEN einen besonders dramatischen Fall von Welpenhandel und Tierquälerei aufgedeckt. Ein Hinweisgeber hatte die Tierschutzorganisation auf die katastrophalen Zustände in einem Wohnhaus aufmerksam gemacht und von den jahrelangen Qualen der Tiere berichtet, die dort gehalten und vermehrt wurden. Etwa 25 bis 35 erwachsene Hunde sowie vier Welpen unter zwölf Wochen sollen sich zur Zeit in einem unscheinbaren Familienhaus befinden. Nach Schätzungen sollen seit 2006 bis heute rund 400 Tiere über Kleinanzeigen-Portale verkauft worden sein. Das zuständige Veterinäramt war mit Vorankündigung vor Ort, verließ das Haus jedoch wieder ohne die Tiere zu beschlagnahmen. VIER PFOTEN wird den Fall weiter verfolgen.

„Obwohl ich schon viel gesehen habe, macht mich der Anblick dieser Vermehrerstation fassungslos! Uns liegen Aufnahmen vor, die verwahrloste Tiere in einem erbärmlichen Zustand zeigen. Alles ist voll mit Dreck und Kot. Dass hier nicht schon viel früher durch die Behörden gehandelt wurde, obwohl die Missstände offenbar bekannt waren, ist wirklich unbegreiflich. Die Tiere wurden von den Vermehrern ganz offensichtlich nicht wie Lebewesen, sondern wie eine Ware behandelt und dann gewinnbringend über das Internet verkauft. Zunächst riefen die Händler laut Angaben des Hinweisgebers Preise von rund 450 Euro pro Tier auf – im Zuge der Corona-Pandemie haben die Vermehrer Welpen für 900 bis 1.200 Euro je Tier angeboten. Hier herrschen Zustände, wie wir sie sonst nur aus osteuropäischen Vermehrerstationen kennen. Aber all das geschieht auch mitten in Deutschland“, sagt Birgitt Thiesmann, Researcherin und Expertin illegaler Welpenhandel bei VIER PFOTEN.

 

Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland ergänzt: „Solche Zustände darf die deutsche Politik nicht länger hinnehmen – denn dieser Fall in Brandenburg ist sicher kein Einzelfall. VIER PFOTEN fordert die neue Regierungskoalition dazu auf, dem grausamen Geschäft mit Welpen endlich einen Riegel vorzuschieben. Dafür braucht es eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht und die Regulierung des Online-Handels mit Tieren. Außerdem muss die Qualifikation von Halterinnen und Haltern geprüft werden. Tierhaltung erfordert Verantwortung. Was hier geschieht, ist eine Verantwortungslosigkeit.“   

Hintergrundinformationen zum Fall in Brandenbur

Verwahrloste Tiere, verkotetes Fell, offen herumstehendes Rattengift oder Medikamente: Viele der in dem Haus in Brandenburg über Jahre gehaltenen Tiere sollen krank und traumatisiert sein. Mehrere sollen laut den Hinweisgebern bereits gestorben und im Garten verscharrt oder über den Hausmüll entsorgt worden sein. Außerdem steht der Vorwurf der Tierquälerei im Raum: Die ohnehin vernachlässigten Hunde sollen mit Medikamenten ruhig gestellt und in Krankheitsfällen sogar mit Elektroschocks getötet worden sein. Die Wolfskrallen sollen ihnen bereits im Welpenalter abgeschnitten und mittels Lötkolben verödet worden sein – das Gefühl in der Wolfskralle ist vergleichbar mit dem im kleinen Zeh eines Menschen. Einige der Tiere wurden offenbar über Jahre ausschließlich im Keller gehalten – ohne Tageslicht, ausreichend Futter oder menschliche Zuneigung. Sie sollen dort gedeckt und häufiger für mehrere Tage sich selbst überlassen worden sein. Insgesamt wurde unkontrolliert vermehrt, so dass auch Inzuchten zustande kamen. In dem Haus wurden über Jahre hinweg verschiedene Rassen produziert wie beispielsweise Yorkshire Terrier, Pekinesen, Malteser, Shih Tzus oder Collies. Die Welpen sollen dann unter verschiedenen und wechselnden Accounts über Online-Plattformen  zum Kauf angeboten worden sein. Die Nachfrage speziell nach kleinen Hunderassen ist hier nach wie vor sehr hoch.

Tierschutz gehört in den Koalitionsvertrag. Unterschreiben Sie hier.

VIER PFOTEN hat eine Modelllösung entwickelt, mit der der Online-Handel mit Tieren sicher gemacht werden könnte. Informationen dazu erhalten Sie hier.

Weitere Informationen zum illegalen Welpenhandel finden Sie hier.


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