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Eine Stunde für eine Stunde – Zeittauschbörsen in Nachbarschaften
Zeittauschbörsen sind bundesweit im Trend Copyright: Netzwerk Nachbarschaft ©privat
  • 23. Mai 2023

Eine Stunde für eine Stunde – Zeittauschbörsen in Nachbarschaften

Von Karin Banduhn | Netzwerk Nachbarschaft

Hamburg  – Wenn es eine Währung gibt, deren Wert stetig steigt, dann ist es Zeit. Immer mehr Nachbarinnen und Nachbarn organisieren daher Zeittauschbörsen, in die sie ihre Fähigkeiten kostenlos und auf Augenhöhe einbringen. Mehr als 400 Zeittauschbörsen gibt es in Deutschland, so die Hochrechnung des bundesweiten Aktionsbündnisses Netzwerk Nachbarschaft.

In einer Zeittauschbörse oder Zeitbank ist Hilfe auf Gegenseitigkeit oberstes Ziel. Die Mitglieder bilden Netzwerke, um sich untereinander und auf Augenhöhe zu unterstützen: Einkaufshilfe gegen Babysitten, PC-Schulung gegen Gartenarbeiten, Gesangsunterricht gegen kleine Reparaturen. Die gegenseitige Hilfe ist unentgeltlich, es gilt das Prinzip: Eine Stunde für eine Stunde. Wer mit guten Taten Punkte auf dem Zeitkonto sammelt, kann diese später bei Bedarf selbst einlösen. Viele Netzwerke bieten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, gesammelte Pluspunkte auf ein Sozialkonto zu spenden – zugunsten von Menschen, die sich nicht mehr aktiv einbringen können.

Von den Pionieren lernen

Initiativen wie der Aachener Nachbarschaftsring Öcher Frönnde e.V., der Marburger Tauschring oder die Zeitbank Wöllstein in der Pfalz zeigen, wie sinnstiftend und erfolgreich das Modell funktioniert. „Die Zeittauschbörse ist ein gut erprobtes Modell mit viel Potenzial für Mehrgenerationen-Nachbarschaften“, sagt Erdtrud Mühlens vom bundesweiten Netzwerk Nachbarschaft. „Viele, die sich für das Gemeinwohl engagieren wollen, suchen Möglichkeiten im direkten Wohnumfeld.“ Das Helfen im Tauschverfahren sei unbürokratisch aber verbindlich. Und erleichtere es auch, Hilfe anzunehmen.

„Kontoauszüge“ zum Jahresende

Dass es funktioniert, zeigen zahlreiche Initiativen aus Nachbarschaften. Der Verein Zeitbank Wöllstein aus Rheinland-Pfalz etwa wurde vergangenes Jahr mit dem AOK- Förderpreis „Gesunde Nachbarschaften“ ausgezeichnet. Angespart und eingelöst werden in Wöllstein Zeitguthaben für Fahrdienste, IT-Hilfe, Kinderbetreuung, Unterstützung bei kleinen Reparaturen oder Gartenarbeiten. Ältere Menschen, deren Angehörige und junge Familien werden so in ihrem Alltag enorm entlastet. Jede freiwillige Dienstleistung ist gleich viel Wert – auch noch in zehn Jahren. Einmal im Jahr erhält jedes Mitglied seine „Kontoauszüge“.

Schutzraum Nachbarschaft

Zu groß sollten Zeitbanken oder Zeittauschbörsen aber nicht sein. „Es braucht eine solide Vertrauensbasis, um partnerschaftliche Hilfe zu geben und sie auch anzunehmen“, so Mühlens. Netzwerk Nachbarschaft bietet Informationen, Checklisten und Beispiel-Projekte unter: www.netzwerk-nachbarschaft.net/ratgeber/teilen- tauschen




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