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Zu Lebzeiten verkannt, heute verehrt
Der Todestag des Priesters Wilhelm Hohoff jährt sich am 10. Februar 2023 zum 100. Mal ©Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn.
  • 08. Februar 2023

Zu Lebzeiten verkannt, heute verehrt

Von Presse-Team des Erzbistums Paderborn | Erzbischöfliches Generalvikariat

100. Todestag von Wilhelm Hohoff mahnt zum Gedenken an einen Wegbereiter der katholischen Sozialforschung

Paderborn (pdp). Der Priester Wilhelm Rudolf Hohoff gilt als einer der Wegbereiter des katholischen Sozialismus, einer politisch-theologischen Richtung der 1920/30er Jahre. Der Geburts- und Todestag des Geistlichen folgen im Kalender direkt aufeinander: Vor 175 Jahren wurde Wilhelm Hohoff am 9. Februar 1848 in Medebach geboren, vor 100 Jahren starb er am 10. Februar 1923 in Paderborn. Als „roter Priester“, der sich in seinem intensiven publizistischen Schaffen unter anderem mit den Lehren von Karl Marx auseinandersetzte, stieß Wilhelm Hohoff zu Lebzeiten innerhalb der katholischen Kirche auf Ablehnung: Für seine unbequemen Impulse wurde er von seiner Diözese Paderborn sogar öffentlich gerügt. „Wilhelm Hohoff hat durch seine Publikationen einen wichtigen Dialog-Beitrag innerhalb der Theologie und dabei besonders für die Christliche Gesellschaftslehre und Sozialpastoral geleistet“, würdigt Diözesanadministrator Monsignore Dr. Michael Bredeck das Lebenswerk des Geistlichen.

„Ich erkläre hiermit, dass ich Sozialist und Demokrat bin. Ich gehöre der sozialdemokratischen Partei aber nicht an. Insbesondere will ich nichts wissen von Unglauben und Atheismus. Ich bin gläubiger katholischer Priester.“ Diese klare Stellungnahme Wilhelm Hohoffs brachte ihm am 8. August 1922 zwar noch eine Rüge im Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Paderborn ein. Rund ein Vierteljahrhundert später aber stellte sich das Bild schon ganz anders dar: Im Kirchlichen Amtsblatt vom 25. März 1948 war vom großen Interesse an den schriftlichen Arbeiten Wilhelm Hohoffs zu lesen, verbunden mit dem Aufruf, „alles zu sammeln, was von Wichtigkeit sein kann für die Bearbeitung des Lebens und des Werkes des genannten Volkswirtschaftlers.“

„Wilhelm Hohoff hat mit Leidenschaft geglaubt und geforscht und damit Brücken der Verständigung unter den Menschen seiner Zeit gebaut“, lobt Diözesanadministrator Msgr. Dr. Bredeck die Arbeiten des Geistlichen. Seine Überzeugung habe Hohoff als Priester und als Verfasser gesellschaftstheoretischer Schriften „unerschrocken und aus innerer Überzeugung“ vertreten. Damit sei er besonders auch zu einem „Vordenker auf dem Gebiet moderner christlicher Sozialforschung“ geworden. Es gelte nun, „sein Werk neu zu entdecken, theologisch fruchtbar werden zu lassen und für unsere Gegenwart zu erschließen“.

Seelsorger und Publizist

Wer war dieser Mensch, dessen Bedeutung für die katholische Kirche sich so stark gewandelt hat? Im Erzbistumsarchiv in Paderborn finden sich im vorhandenen Schriftgut Antworten. Als Sohn eines Land- und Stadtgerichtssekretärs und Enkel des Juristen und Rechtshistorikers Paul Wigand studierte Wilhelm Hohoff Theologie und politische Ökonomie in Münster, Marburg, Bonn und zuletzt in Paderborn. Hier empfing er 1871 die Priesterweihe. 14 Jahre war er Hausgeistlicher auf Haus Hüffe im Kreis Lübbecke, bevor er sich von 1886 bis 1905 als Vikar in der Diasporagemeinde Petershagen engagierte. Aufgrund andauernder Krankheit trat er 1905 in den Ruhestand und lebte fortan bis zu seinem Tod am 10. Februar 1023 in Paderborn. „Auf dem Paderborner Ostfriedhof hat er seine letzte Ruhestätte gefunden, seine Grabstelle rechts neben der Friedhofskapelle ist nach wie vor erhalten“, weiß Michael Streit, der das Erzbistumsarchiv leitet.

Viele Veröffentlichungen befassen sich mit dem Wirken des Geistlichen, der Korrespondenzen unter anderem mit August Bebel, Friedrich Engels, Wilhelm Liebknecht und Lew Trotzki pflegte. Neben Franz Hitze – Zeitgenosse Wilhelm Hohoffs, ebenfalls Priester und erster Professor für christliche Sozialwissenschaften der Universität Münster – beschäftigte sich Hohoff als einer der ersten Katholiken in Westfalen ernsthaft mit den Schriften von Karl Marx. Einige der Marxschen Grundthesen widersprächen nicht grundsätzlich der christlichen Lehre, so das Urteil Hohoffs. Menschliche Arbeit sei die Quelle zur Schaffung von ökonomischen Werten, wie es grundsätzlich auch die christliche Arbeitswerttheorie von Thomas von Aquin besage. Dies sollte die Grundannahme der publizistischen Arbeit von Wilhelm Hohoff sein.

Dialogstifter

Auf wenig Verständnis stieß der Priester damit zunächst nicht nur in der katholischen Kirche. Auch linksorientierte Kräfte stimmten ihm weitgehend nicht zu. Seine Kontroverse mit August Bebel, einem der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, wurde unter dem Titel „Christentum und Sozialismus“ veröffentlicht. „Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser“, so die ursprüngliche These Bebels. In seinem gesamten wissenschaftlichen Werk vertrat Hohoff hingegen die Auffassung, „dass nicht Christentum und Sozialismus, sondern Kapitalismus und Christentum sich einander gegenüberstehen wie Wasser und Feuer“.

Auf einer Gedenktafel an der ehemaligen Wohnstätte des Priesters am Gierswall in Paderborn wird Wilhelm Hohoff als „Klassiker der modernen christlichen Kapitalkritik, Begründer des Dialoges zwischen Christen und Marxisten und bedeutender Theoretiker des christlichen Sozialismus“ ausgewiesen. „Das ist sicher eine späte, aber berechtigte Würdigung“, betont Michael Streit. Straßen, die nach Wilhelm Hohoff benannt sind, gibt es heute nicht nur in Paderborn, sondern auch an seiner früheren Wirkungsstätte Petershagen und in seinem Geburtsort Medebach, wo in der Hohoffstraße auch die Katholische Kindertagesstätte mit dem Namen des Geistlichen ihr Zuhause hat.

Gedenken in der Gaukirche und in Petershagen

Am Freitag, 10. Februar 2023, dem 100. Todestag von Wilhelm Hohoff, wird in der Gaukirche Paderborn im Kapitelsamt um 8 Uhr für den verstorbenen Priester Wilhelm Hohoff gebetet. Die Messe zelebriert Offizial Hans Jürgen Rade. Archivleiter Michael Streit wird im Anschluss auf dem Ostfriedhof am Grab von Wilhelm Hohoff eine Kerze anzünden. „Wer sich anschließen möchte zu diesem ruhigen Gedenken, ist herzlich eingeladen. Wilhelm Hohoff hat es in jedem Fall verdient“, ist Streit überzeugt.

In Petershagen wird das „doppelte“ Jubiläum zum 175. Geburtstag und zum 100. Todestag Wilhelm Hohoffs gefeiert – mit einer Festmesse, dem Enthüllen einer Erweiterung des Straßenschildes, das seinen Namen trägt, und einem Festakt.


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