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„Christlich-muslimischer Dialog stärkt Verantwortung für ein ‚Wir‘“
Saad Thamir und Beate Wolff (Duo Misk und Amber), Dr. Yasemin El-Menouar, Pfarrer Bernd Neuser, Dr. Cordula Heupts, Jun.-Prof. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, Dr. Miriam Zimmer und Generalvikar Dr. Michael Bredeck ©Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
  • 09. Juli 2026

„Christlich-muslimischer Dialog stärkt Verantwortung für ein ‚Wir‘“

Von Presse-Team des Erzbistums Paderborn

Beim Dialogempfang der NRW-(Erz-)Bistümer in Paderborn betrachten Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog Transformation aus unterschiedlichen Perspektiven

Paderborn (pdp). „Transformation in unsicheren Zeiten – Herausforderungen für Christentum und Islam“. Diesen Titel trug der diesjährige Dialogempfang der NRW-(Erz-)Bistümer für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog, der am Mittwoch, 8. Juli 2026, im Tagungshaus Liborianum stattfand. Das Erzbistum Paderborn, das mitten in der Transformation von Pastoral und Verwaltung steht, war zum wiederholten Mal Gastgeber für den Empfang. Wie wirken sich gesellschaftliche Umbrüche auf Christentum und Islam aus und wie können beide Religionen gemeinsam damit umgehen? Auf diese Fragen richteten beim Dialogempfang Grußworte, zwei Impulsvorträge und eine Podiumsdiskussion ihren Fokus.

Nach der Begrüßung durch Dr. Cordula Heupts, Leiterin der Abteilung Glauben im Dialog im Erzbischöflichen Generalvikariat, wünschte der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz per Video-Gruß dem Empfang ein gutes Gelingen und „die inspirierende Erfahrung, das Thema Transformation aus vielen Perspektiven zu betrachten“. Über Religionsgrenzen hinweg ähnliche Herausforderungen zu besprechen, sei angesichts vielfältiger Krisen wertvoll, betonte der Paderborner Erzbischof.

Vielfalt wertschätzen

Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz verwies Erzbischof Dr. Bentz auf Eindrücke seiner Reisen in die Region: „Für viele Muslime sind Christen Teil ihrer Geschichte und umgekehrt.“ Den Gästen des Dialogempfangs dankte der Paderborner Erzbischof „für Ihr Engagement, das Räume ermöglicht, um Vielfalt wertzuschätzen und Konflikte mit Respekt auszutragen.“ Der christlich-muslimische Dialog stärke die gemeinsame Verantwortung für ein „Wir“.

Generalvikar Dr. Michael Bredeck freute sich angesichts der Gäste aus allen Teilen Nordrhein-Westfalens, „dass so viele Menschen hier sind, die sich für den christlich-islamischen Dialog engagieren.“ Der Dialogempfang sei ein „Ort der Begegnung“, der es ermögliche, gemeinsam auf der Basis eines gelingenden gesellschaftlichen Miteinanders zu einer lebendigen Demokratie beizutragen. Generalvikar Dr. Bredeck nutzte den Dialogempfang für eine Einladung zum Katholikentag 2028 in Paderborn – auch hier werde es interreligiöse Akzente geben.

Interreligiöser Dialog braucht Begegnung

Begegnung war auch ein wichtiger Aspekt bei zwei weiteren Grußworten. Junior-Professorin Dr. Naciye Kamcili-Yildiz, die an der Universität Paderborn Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik lehrt, betonte, dass bei der Vermittlung religiöser Vielfalt nicht nur „Kopfwissen“ helfe, sondern die Begegnung mit einem glaubwürdigen Gegenüber. „Religion braucht Gesichter und Menschen mit Geschichten. Dann können Differenzen ausgehalten und besprechbar gemacht werden“, so die Wissenschaftlerin.

Pfarrer Bernd Neuser war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand vor wenigen Tagen Pfarrer der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde Iserlohn und ist langjährig engagiert im christlich-muslimischen Dialog. Er mahnte in seinem Grußwort, bei allen innerkirchlichen Veränderungsprozessen den interreligiösen Dialog nicht aus den Augen zu verlieren. Begegnung zwischen Christentum und Islam sei auch auf spiritueller Ebene ein Gewinn. Er gehe bei jedem Paderborn-Besuch an die Pader-Quellen: „Dieser Urgrund ist für mich ein wunderschönes Bild, dass wir als Religionsgemeinschaften unsere eigenen Quellen kennen und einander daran teilhaben lassen.“

Wandel geschieht, Transformation gestaltet

Dr. Yasemin El-Menouar von der Bertelsmann-Stiftung leitet das dortige Religionsmonitor-Projekt. In ihrem Impulsvortrag wies die Soziologin und Islamwissenschaftlerin auf einen zentralen Unterschied hin: „Wandel geschieht von allein, Transformation versucht, diesen bewusst zu gestalten. Oft hält die Transformation mit dem Wandel aber nicht Schritt.“ Für junge Musliminnen und Muslime in Deutschland sei der Islam hierzulande von großer Vielfalt geprägt. „Gesellschaftlich wird diese Vielfalt aber nur mangelhaft wahrgenommen“, zitierte El-Menouar die Ergebnisse einer Untersuchung mit jungen Musliminnen und Muslimen. „Es fehlt oft die Differenzierung zwischen dem Islam als Weltreligion und dem Islamismus, was auch bei muslimischen Jugendlichen zu Ausgrenzungserfahungen führt“, machte die Soziolgin deutlich und formulierte eine markante Schlussthese: „Religionsgemeinschaften verlieren ihre Bedeutung nicht durch Pluralismus, sondern dann, wenn sie aufhören, sich zu erneuern.“

Zivilgesellschaftliche Anwälte für das Allgemeinwohl

Dr. Miriam Zimmer, Gründerin des impækt-Instituts für Evaluation und Wirkungsforschung mit Sitz in Berlin, brachte die christliche Organisationsperspektive ein. „Sind nicht unsichere Zeiten eigentlich die besten Zeiten, um als Religion und Kirche Sinn zu stiften?“, fragte die Soziologin, Religionswissenschaftlerin und Psychologin zum Auftakt ihres Impulses. Nicht die Religion oder die Religiosität würden sich in ihren Grundfesten wandeln, sondern die religiöse Organisiertheit. „Von der etablierten Institution, die Kirche einst war, ist sie heute zu einer Option geworden“, erklärte Zimmer. „Wer etwas von Kirche in Anspruch nimmt, tut das heute bewusst und nicht mehr, weil es jeder tut.“ Kirche rücke als Akteur zunehmend in den Non-Profit-Bereich – was aber viele Chancen biete. Kirche werde in unterschiedlichen Bereichen auch von kirchenfernen Menschen immer noch etwas zugetraut: vom Klimaschutz bis zum Engagement für Flüchtlinge. „Religionsgemeinschaften werden so zu zivilgesellschaftlichen Anwältinnen und Verbündeten für das Allgemeinwohl – auch, indem sie gemeinsam öffentlich in Wort und Tat sichtbar werden“, fasste die Religionswissenschaftlerin zusammen.

Positives Potenzial sichtbar machen

Um Sichtbarkeit ging es auch immer wieder in der nachfolgenden Podiumsdiskussion mit den beiden Expertinnen und Generalvikar Dr. Michael Bredeck, die Dr. Cordula Heupts moderierte. Generalvikar Dr. Bredeck betonte nochmals die große gemeinsame Verantwortung, die durch die Verschiebung der Anteile der Religionszugehörigkeiten in der Gesellschaft entstehe. Dr. Yasemin El-Menouar betonte: „Religionsgemeinschaften sind Knotenpunkte und Netzwerke für Engagement, beispielsweise in der Hilfe für Flüchtlinge. Diese Beiträge und dieses positive Potenzial sind zu wenig sichtbar.“ Dr. Miriam Zimmer plädierte für ein Mehr an „aufsuchender Arbeit“, beispielsweise für einsame oder alte Menschen und Familien. In diesem Zusammenhang machte Dr. Bredeck deutlich, wie wichtig Engagementförderung ist: „Gerade im Zuge unserer binnenkirchlichen Transformation legen wir einen Schwerpunkt auf die Förderung von ehrenamtlichem Engagement. Denn dieses stabilisiert unsere Gesellschaft.“

Hoffnungsgeschichten

Einig waren sich die Podiumsgäste auch darin, dass es „Hoffnungsgeschichten“ der interreligiösen Begegnung brauche, damit die immer wieder hervorgehobene Polarisierung sich nicht real weiter in der Gesellschaft durchsetzt. In diesem Kontext benannte Generalvikar Dr. Bredeck abschließend ein beispielhaftes Projekt: den GlaubensGarten in Bad Lippspringe. An diesem zur Landesgartenschau 2017 entstandenen Ort finden bis heute Veranstaltungen statt. So fördere das Projekt Vernetzung und Austausch im gegenseitigen Respekt.

Für eine musikalische und atmosphärische Begegnung von Okzident und Orient sorgte das Duo „Misk und Amber“: Beate Wolff und Saad Thamir begeisterten mit unterschiedlichen Instrumenten und authentischem Gesang.

Hintergrund: Dialogempfang

Der Dialogempfang der NRW-(Erz-)Bistümer für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog findet seit 2001 rotierend innerhalb der fünf NRW-(Erz-)Bistümer ab. Eingeladen sind Organisationen des christlich-islamischen Forums NRW sowie lokale Initiativen des (Erz-)Bistums, das den Empfang jeweils ausrichtet.

 


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Abdinghofkriche in Paderborn ©Gerald Kaufmann

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Käse und Käsemacher

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Warburg am Tag! ©Gerald Kaufmann

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