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Drogenkonsumräume: 52.000 Beratungen und kein Todesfall
Drogenkonsumräume ©DAH | Bild: Jan N. Nelles
  • 18. Februar 2025

Drogenkonsumräume: 52.000 Beratungen und kein Todesfall

Von Deutsche Aidshilfe

Erste umfassende Erhebung zeigt: Geschützte Konsumräume retten Leben, verhindern Infektionen und sind ein essenzieller Baustein der Drogenhilfe.

Drogenkonsumräume haben im Jahr 2023 in Deutschland über 650 Drogennotfälle bewältigt – anders als auf der Straße endete aufgrund der professionellen Hilfe in solchen Einrichtungen keiner tödlich. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der ersten bundesweiten Erhebung zur Nutzung dieser Einrichtungen, durchgeführt von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, der Bundesarbeitsgemeinschaft Drogenkonsumräume und der Deutschen Aidshilfe (DAH).

Insgesamt fanden in Deutschlands Drogenkonsumräumen mehr als 650.000 Konsumvorgänge statt, darunter 230.000 Injektionen. Da in diesen Einrichtungen für jeden einzelnen Konsum sterile Spritzen und Utensilien ausgegeben werden, wird die Übertragung von HIV oder Hepatitis komplett verhindert.

Außerhalb dieser geschützten Räume sieht die Realität anders aus: 2.277 drogenbedingte Todesfälle registrierte das Bundeskriminalamt 2023 – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor und so viele wie nie. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen unter Drogenkonsument*innen steigt seit 2010.

Versorgungslücken schließen – Leben retten

„Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass Drogenkonsumräume Leben retten und Infektionen verhindern. Doch sie zeigen auch, dass wir dringend mehr dieser Einrichtungen brauchen – in allen Bundesländern und mit längeren Öffnungszeiten“, sagt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Derzeit gibt es Drogenkonsumräume nur in 8 der 16 Bundesländer. In Schleswig-Holstein und Sachsen wurden bereits die erforderlichen Rechtsverordnungen erlassen. In Kiel soll in diesem Jahr in Drogenkonsumraum, in Leipzig ein Konsummobil in Betrieb gehen. In den übrigen Ländern (Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen) fehlen die Rechtsverordnungen noch. Der Betrieb von Drogenkonsumräumen ist dort darum immer noch nicht zulässig, in Bayern beispielsweise auch ausdrücklich nicht erwünscht. Dabei ist Bayern bei den drogenbedingten Todesfällen auf Platz drei der Bundesländer.

Beratung und Weitervermittlung: ein Schlüssel zur Hilfe

Neben dem sicheren Konsum bieten Drogenkonsumräume einen wichtigen Zugang zu Hilfsangeboten. 52.000 Beratungen fanden hier 2023 statt – oft mit Weitervermittlung in die Substitutionsbehandlung, Entgiftung oder andere Therapien.

„Drogenkonsumräume sind mehr als Orte des sicheren Konsums. Sie sind eine Brücke in das Hilfesystem und tragen dazu bei, die gefährlichen Folgen von Abhängigkeitserkrankungen zu minimieren – bis hin zum Ausstieg aus der Sucht“, erklärt Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Strafvollzug der Deutschen Aidshilfe.

Entlastung für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem

Drogenkonsumräume sind nicht nur für die Konsumierenden von Vorteil, sondern auch für die Gesellschaft:

  • Entlastung des öffentlichen Raums: Der Konsum findet in geschützten, regulierten Räumen statt, statt in Parks oder Hauseingängen.
  • Saubere Städte: Spritzen und Konsumutensilien werden fachgerecht entsorgt.
  • Kostenersparnis im Gesundheitswesen: Die Vermeidung von HIV- und Hepatitis-Infektionen spart hohe Behandlungskosten, ebenso wie die Reduzierung von Notfalleinsätzen durch Rettungsdienste.

„Diese Einrichtungen schützen nicht nur Konsumierende, sondern sind ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft“, betont DAH-Vorstand Sven Warminsky.

Drogenkonsumräume im Wandel: neue Herausforderungen durch Crack

Die Erhebung zeigt auch, dass sich der Drogenkonsum verändert:

  • 396.000 Konsumvorgänge erfolgten inhalativ, etwa durch das Rauchen von Crack oder Heroin.
  • 230.000 Konsumvorgänge fanden per Injektion statt.
  • Crack-Konsum nimmt stark zu: 115.000 der registrierten Konsumvorgänge entfielen auf Crack – eine Substanz, die oft sehr häufig am Tag konsumiert wird und die Drogenhilfe vor neue Herausforderungen stellt.

„Die Zeiten von reinen ,Fixerstuben‘ sind längst vorbei. Drogenkonsumräume müssen heute auf verschiedene Konsumformen vorbereitet sein und brauchen mehr Kapazitäten, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden“, so Dirk Schäffer.

Erste bundesweite Erhebung – regelmäßige Datenerfassung geplant

An der Befragung beteiligten sich 29 der 32 Drogenkonsumräume in Deutschland. Insgesamt nutzten im Jahr 2023 rund 18.500 Menschen deren Angebote.

Die Erhebung soll künftig jährlich stattfinden, um Entwicklungen besser zu verstehen und Bedarfe frühzeitig zu erkennen.

„Die Daten belegen: Ohne Drogenkonsumräume wäre die Zahl der Drogentoten und schwerwiegenden Infektionen in Deutschland noch viel höher. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Therapie und zum Ausstieg aus der Sucht und verhindern negative Folgewirkungen für die Gesellschaft“, fasst Dirk Schäffer zusammen.

Bericht „Drogenkonsumräume in Deutschland 2023“

Informationen zu Drogenkonsumräumen in Deutschland




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